Philipp der Schöne hatte in der Tat keine Lust mehr, den Krieg von neuem zu beginnen; aber der Racheschrei, der sich in allen Teilen Frankreichs erhob, die Klagen der Ritter, deren Brüder vor Kortrijk gefallen waren, und vor allem die Hetzerei der rachsüchtigen Königin Johanna trieben ihn schließlich doch wieder zum Kriege. So versammelte er denn ein Heer von achtzigtausend Mann, darunter sich fast zwanzigtausend Reiter befanden; dennoch kam es bei weitem dem ersten an Wert nicht gleich, welches er verloren hatte. Denn es bestand zumeist aus Mietlingen oder zum Dienste gezwungenen Soldaten. Der Oberbefehl wurde König Ludwig von Navarra übertragen; der sollte, ehe er eine Schlacht lieferte, Douai und die anderen französischen Grenzfestungen den Händen der Vlaemen entreißen. Als dies Heer nach Flandern kam, schlug es zwei Stunden von Douai bei Vitry sein Lager auf.

Sobald man in Flandern vernahm, daß ein neues französisches Heer gesammelt worden war, lief durch das ganze Land der Ruf: „Zu den Waffen! Zu den Waffen!“ Noch nie sah man ähnliche Begeisterung; aus allen Städten, aus den kleinsten Dörfern kamen große Haufen Volkes mit allerart Waffen herbeigeeilt. Singend und jubelnd ging es dem Feinde entgegen, und Johann von Namur mußte viele zurücksenden aus Furcht, daß es an Lebensmitteln fehlen könnte. Diejenigen, die als Leliaerts bekannt waren, wollten ihr früheres Tun vergessen machen und baten flehentlichst, als Beweis ihrer Sinnesänderung ihr Blut für das Vaterland vergießen zu dürfen! Das wurde ihnen denn auch freudig zugestanden.

Unter dem Feldherrn Johann von Namur standen fast alle Ritter, die sich auch in der Schlacht vor Kortrijk ausgezeichnet hatten: der junge Gwijde, Wilhelm von Jülich, Jan van Renesse, Jan Borluut, Peter De Coninck, Jan Breydel und noch manch anderer. Adolf van Nieuwland war von seiner Krankheit noch nicht wiederhergestellt und konnte daher diesem Zuge nicht beiwohnen.

In zwei verschiedenen Abteilungen zogen die Vlaemen bis auf zwei Meilen dem Feind entgegen und nahmen dort Stellung. Nachdem sie hier kurze Zeit gelagert hatten, zogen sie weiter bis zur Skarpe, einem kleinen Fluß bei Flines. Täglich forderten sie die Franzosen zum Kampf heraus. Da aber weder die vlaemischen noch französischen Feldherren zum Kampf bereit schienen, so kam es zu keinem Ereignis. Der Grund zu dieser Ruhe war, daß Johann von Namur die Befreiung seines Vaters und Bruders bewirken wollte und deshalb Boten nach Frankreich gesandt hatte, um zu versuchen, ob man mit Philipp dem Schönen nicht Frieden schließen könne. Wahrscheinlich konnte man am französischen Hofe über die Bedingungen nicht einig werden, denn die Boten blieben aus, und man bekam nur ungünstige Antworten.

Das vlaemische Heer begann indes zu murren und wollte trotz des Verbots des Feldherrn mit den Franzosen eine Schlacht wagen; die Forderung der Truppen wurde schließlich so nachdrücklich, daß Johann von Namur gezwungen war, über die Skarpe zu ziehen, um den Feind anzugreifen. Aus fünf Schiffen wurde eine Brücke über den Fluß geschlagen, und das vlaemische Heer zog singend hinüber, froh, daß es endlich zum Kampfe ging. Aber da kam eine zweideutige Nachricht aus Frankreich, die sie noch einige Tage zurückhielt. Am Ende wollten sich die Scharen durchaus nicht mehr halten lassen, und es gab schon bedenkliche Anzeichen von Aufruhr. Nun wurde alles zum Angriff bereit gemacht, und die Vlaemen zogen den Franzosen entgegen; die wollten jedoch keine Schlacht wagen, brachen ihr Lager eilig ab und zogen in Unordnung davon. Die Vlaemen fielen über die Fliehenden her und erschlugen ihrer eine große Zahl. In weiterem Vorstoß nahmen sie das Kastell Harne, wo der König von Navarra die Speicher für das Heer angelegt hatte. Die Vorräte, die Zelte und alles, was das französische Heer mitgebracht hatte, fiel in die Hände der Vlaemen. Danach ereigneten sich noch einige unbedeutende Gefechte, deren Ergebnis war, daß die Franzosen mit Schmach bedeckt bis tief nach Frankreich zurückgetrieben wurden.

Als die vlaemischen Feldherren sahen, daß kein Feind mehr im offenen Felde zu bekämpfen war, entließen sie einen Teil ihres Heeres und behielten nur so viel Leute, um die Besatzungen der französischen Grenzstädte am Rauben und Plündern hindern zu können.

Aus dem Städtchen Lessines, auf der Grenze von Hennegau, drangen täglich Haufen von Söldnern ins vlaemische Gebiet und richteten großen Schaden unter den Bewohnern des platten Landes an. Als Johann von Namur davon hörte, legte er sich mit einem Teil seiner Truppen davor und erstürmte, eroberte und verbrannte Lessines, das dem Grafen von Hennegau gehörte.

Inzwischen wandte sich Wilhelm von Jülich mit den Zünften von Brügge und Kortrijk nach Saint Omaar, um den Franzosen diese Stadt zu nehmen. Dort wurde er von der französischen Reiterei, die bei weitem zahlreicher war als die seinige, mit Ungestüm angegriffen. Da er keinen Ausweg sah, stellte er seine Leute in einem Kreis auf und wehrte sich, bis es ihm die Finsternis gestattete, zurückzuweichen und so einer sicheren Niederlage zu entgehen. Einige Tage später kehrte Johann von Namur von Lessines zu Wilhelm zurück, so daß deren vereinigte Macht an die dreißigtausend Mann stark wurde. Sie griffen das französische Heer an, schlugen es in die Flucht und zerstreuten die feindlichen Scharen.

Jetzt begann man Saint Omaar zu bestürmen; alle Tage wurde die Stadt mit ungewöhnlichem Mute von verschiedenen Seiten angegriffen. Da jedoch die Besatzung sehr stark war, so wurden die Belagerer oft mit Verlust vieler Leute zurückgeschlagen; das hinderte sie aber nicht, Massen von Steinen über die Wälle zu werfen und die Häuser arg zu beschädigen. Auch viele Einwohner von Saint Omaar wurden in den Straßen durch die Steine getötet. Die Franzosen wurden um die Erhaltung der Stadt besorgt, und in der Absicht, einen kräftigen Versuch zu machen, ließen sie alle Bürger unter die Waffen treten. Dadurch bildeten sie eine ansehnliche Kriegsmacht, die sie in zwei Scharen teilten.

In der Nacht, da undurchdringliche Finsternis die Fluren bedeckte, schlichen sie insgeheim aus der Stadt, legten die eine Hälfte ihrer Truppen in ein dichtes Gebüsch zur Seite des vlaemischen Lagers, der andere Teil zog zur Feste Areques, das gleichfalls von den Vlaemen belagert wurde. Bei Sonnenaufgang begann der Angriff bei Arcques mit solcher Gewalt, daß die Vlaemen, die ganz überrascht waren, fliehen wollten; die Stimme ihrer Anführer gab ihnen jedoch den Mut wieder, sie trieben die Franzosen zurück, und der Sieg schien sich ihnen zuzuneigen, als sie plötzlich eine große Reiterschar im Rücken angriff. Die warf beim ersten Stoß mehrere Glieder über den Haufen und trieb die Vlaemen nach hartnäckigem Kampf auseinander und in die Flucht.