Der andere Teil des vlaemischen Heeres wurde unvermutet von den in dem Gehölz verborgenen Soldaten angegriffen. Er stellte sich schleunigst in Schlachtordnung auf und zog sich langsam zurück. Vielleicht würden die Vlaemen ohne große Verluste davongekommen sein, wenn nicht ein beklagenswertes Unglück ihre Niederlage verursacht hätte. Als sie an den Aafluß gekommen waren, betraten sie in so großer Anzahl und so dicht gedrängt die Brücke, daß diese das Gewicht der vielen Menschen nicht mehr tragen konnte und mit furchtbarem Krachen in den Fluß stürzte. Das Geschrei und die Klagen der Verwundeten, die in das Wasser fielen, jagte den vlaemischen Scharen, die noch vor dem Flusse standen, argen Schrecken ein. Ohne auf die Stimme ihrer Anführer zu hören, wandten sie sich zur Flucht und liefen in völliger Auflösung vom Schlachtfeld. Diese Niederlage kostete den Vlaemen fast viertausend Mann.
Als Johann von Namur und Wilhelm von Jülich merkten, daß der Feind ihr verlassenes Lager plünderte, und dadurch aufgehört hatte, sie zu verfolgen, da sammelten sie die Flüchtlinge, so gut sie konnten, hielten ihnen die Schmach dieser Niederlage vor Augen und riefen in ihnen den Wunsch nach schleuniger Rache wach. Dann kehrten sie zum Feinde zurück, überraschten ihn, als er eben damit beschäftigt war, das Lager zu plündern, und warfen sich unversehens mit großem Geschrei über ihn her. Die meisten Plünderer wurden erschlagen und die anderen in die Stadt getrieben; so behielten die Vlaemen den Sieg des Tages.
Während man gegen Frankreich einen langwierigen und wenig erfolgreichen Krieg führte, war Seeland durch den Tod seines letzten Fürsten herrenlos geworden. Wilhelm von Hennegau wollte dies Land in Besitz nehmen, indem er vorgab, daß es ihm durch Erbrecht zugehöre. Die Söhne des Grafen von Flandern erhoben gleichfalls Anspruch darauf. Johann von Namur rüstete schleunigst eine Flotte aus und landete mit einem vlaemischen Heer auf der Insel Katsand; nach einem unbedeutenden Gefecht wandte er sich nach Walchern und stieg bei Vere, das sich ergab, ans Land. Wilhelm von Hennegau hatte gleichfalls ein Heer aufgebracht und kam damit nach Seeland, wo er Johann von Namur eine Schlacht anbot. Die Vlaemen besiegten ihn in einem furchtbaren Kampf und trieben ihn bis Arnemuiden in die Flucht. Wilhelm von Hennegau, der dort frische Hilfstruppen fand, sammelte sein zerstreutes Heer und zog aufs neue wider die Vlaemen. Aber dieses Mal war seine Niederlage nur noch schrecklicher: er sah sich gezwungen, auf die Insel Schouwen zu flüchten. Kurz darauf eroberten die Vlaemen die Stadt Middelburg und viele andere Ortschaften. Das nötigte Wilhelm von Hennegau zu einem Waffenstillstand, durch den der größte Teil von Seeland an Flandern abgetreten wurde.
Philipp der Schöne sammelte inzwischen ein anderes mächtiges Heer, um sich für die Niederlage bei Kortrijk zu rächen. Er gab den Oberbefehl darüber Walter de Châtillon und gab ihm den Auftrag, bei seiner Ankunft in Flandern alle Besatzungen aus den Grenzstädten an sich zu ziehen, wodurch sein Heer weit über hunderttausend Mann stark werden mußte.
Philipp, einer der Söhne des alten Grafen von Flandern, der in Italien die Grafschaften Tyetta und Lorette geerbt hatte, hörte nicht sobald von dieser neuen Heeresbildung, als er mit einigen Hilfstruppen nach Flandern eilte, und dort von seinen Brüdern zum Oberbefehlshaber erwählt wurde. Mit dem Heere, das in Seeland gekämpft hatte, und noch einigen anderen Truppen brachte er seine Macht auf fünfzigtausend Mann, zog bis Saint-Omaar, um die Franzosen zu erwarten, und überrumpelte die Feste Arcques. Die feindlichen Heere gerieten bald aufeinander. In den beiden ersten Tagen fanden einige kleine Gefechte statt, in denen Pierre de Courtrenel, einer der französischen Feldherren, mit seinen Söhnen fiel und die Franzosen viele Leute verloren. Von Furcht ergriffen, wagte es Walter de Châtillon nicht, eine allgemeine Schlacht zu liefern. Er zog nachts mit seinem Heere nach Utrecht, und zwar so heimlich, daß die Vlaemen, die nichts von diesem Abzuge gemerkt hatten, am anderen Morgen ganz erstaunt waren, als sie nicht einen einzigen Franzosen mehr erblickten. Philipp benützte den Rückzug des Feindes, stürmte und nahm die Städte Terwanen, Lens, Lillers und Bassee. Zur Rache für die Greuel, die von den Franzosen vor der Schlacht bei Kortrijk in Flandern verübt worden waren, wurde die ganze Gegend durch die Vlaemen verwüstet und geplündert. Mit reicher Beute beladen, kehrten sie nach Flandern zurück.
Der König von Frankreich hatte sich durch so viele Niederlagen überzeugt, daß es ihm unmöglich sein würde, Flandern durch die Gewalt der Waffen zu gewinnen. Daher sandte er Amadeus von Savoyen als Friedensunterhändler zu dem vlaemischen Feldherrn Philipp. Die Kinder des gefangenen Grafen wünschten nichts sehnlicher, als die Befreiung ihres Vaters Gwijde und ihres Bruders Robrecht zu erlangen. Sie waren gern zum Frieden mit Frankreich bereit und nahmen dafür selbst ungünstigere Bedingungen hin. So wurde ein Waffenstillstand geschlossen, bis der Vertrag von beiden Seiten angenommen wäre.
Der war am französischen Hof aufgesetzt worden und enthielt verschiedene, für Flandern höchst nachteilige Punkte. Dennoch hoffte Philipp der Schöne, die Annahme durch List zu erreichen. Er ließ den achtzigjährigen Grafen von Flandern aus seiner Gefangenschaft zu Compiègne nach Flandern gehen und nahm ihm sein Ehrenwort ab, daß er im Monat Mai des künftigen Jahres in seinen Kerker zurückkehren würde, wenn er die Annahme des Vertrags, so wie ihn der französische Hof aufgestellt, nicht erreichen könnte.
Der alte Graf wurde von seinen Untertanen prunkvoll empfangen und nahm auf dem Schlosse Wijnendaal Wohnung. Als er aber die Bedingungen des Friedens mit Frankreich vorgelegt hatte, wurden sie von Grund auf von den Städten verworfen. Der alte Graf hoffte allerdings, mit der Zeit ihre Annahme zu erlangen.
Als der Waffenstillstand mit Wilhelm von Hennegau abgelaufen war, vernahm der Graf, daß ein holländisches Heer aufgeboten sei, um Seeland zu nehmen; in aller Eile wurden deshalb Jan van Renesse und Florenz von Borseele ausgesandt, diesen neuen Feinden entgegenzutreten. Die Vlaemen besiegten die holländische Flotte in einer Seeschlacht, darin die Holländer und Hennegauer mehr als dreitausend Mann und all ihre Schiffe verloren. Der Bischof von Utrecht, der Feldherr der Utrechtschen Scharen, wurde gefangengenommen und nach Wijnendaal in Gewahrsam gebracht. In derselben Schlacht fielen Wilhelm van Horn, Dietrich van Harlem, Dietrich van Zulen und Suederus van Beverenweerdt. Die Vlaemen zogen siegreich durch ganz Nordholland und eroberten fast alle Städte, außer Harlem, das sich hartnäckig wehrte. Die vornehmsten Bürger von Nordholland wurden als Geiseln gefangen nach Gent gebracht.