Während der Graf von Hennegau das Feld räumte und Holland den Vlaemen überließ, erhob sich in Dortrecht ein tapferer Mann, namens Niklas van den Putte; der wollte sein Vaterland befreien, sammelte einige Kriegerscharen, überfiel mit ihnen eine Abteilung Vlaemen und erschlug in einem Gefecht fast zweitausend. Von einer anderen Seite brachte auch Witte van Haemstedde, gleichfalls ein tapferer Mann, viele Krieger zusammen und machte kurz darauf einen Teil des vlaemischen Heeres, dem er bei Hillegom begegnete, bis auf den letzten Mann nieder. Diese einzelnen Gefechte änderten wenig den Stand der Dinge in Seeland und verhinderten nicht, daß die Belagerung von Zierikzee fortdauerte.

Unterdessen kam das Ende des Waffenstillstandes mit Frankreich heran, und alles kündete einen neuen Krieg an. Der Friede hatte nicht zustande kommen können, weil die Bedingungen für die Vlaemen unannehmbar waren. Am letzten Tage des Monats April kehrte der alte Gwijde krank und schwach gleich einem zweiten Regulus nach Frankreich in die Gefangenschaft zurück.

Philipp der Schöne hatte während des Waffenstillstandes alles nur mögliche getan, um ein ungeheures Heer zusammenzubringen. In allen Landen waren für seine Rechnung Hilfstruppen geworben und dem Volk verschiedene neue Abgaben aufgezwungen worden, damit die Kosten dieses Krieges bestritten werden konnten. Der König selbst kam gegen Ende Juni an die vlaemische Grenze. Obgleich er über die größte Kriegsmacht gebot, die Frankreich je besessen hatte, so segelte doch noch eine zahlreiche Flotte unter Reinier Grimaldi von Genua zur vlaemischen Seeküste, um den jungen Gwijde und Jan van Renesse, die in Seeland waren, in Schach zu halten.

Philipp von Flandern hatte inzwischen auch einen Aufruf im Land erlassen und viele Kriegsscharen um seine Fahnen versammelt; er zog mit ihnen dem französischen Heer entgegen, um Philipp dem Schönen eine Schlacht anzubieten. Beide Lager befanden sich so dicht nebeneinander, daß sie im anderen die flatternden Banner erblicken konnten. Am ersten Tage fand nur ein kleines Gefecht statt, in dem der französische Anführer Genuilla mit all seinen Leuten erschlagen wurde. Ungeduldig und kampfbegierig stellten sich die Vlaemen am anderen Tag in Schlachtordnung auf und rüsteten sich zu einem gewaltigen Angriff. Als die Franzosen aber das merkten, zogen sie sich eiligst nach Utrecht zurück und überließen ihr Lager den Vlaemen, die große Beute machten und alle Werke, welche die Franzosen errichtet hatten, schleiften oder zerstörten. Die Stadt Bassee wurde von ihnen zum zweiten Male erobert und die Vorstädte der Stadt Lens niedergebrannt.

Philipp der Schöne wollte nun Flandern vom Hennegau aus angreifen und zog mit seinem Heere nach Doornick. Aber schon am ersten Tage nach seiner Ankunft standen ihm die Vlaemen gegenüber. Es lag nicht in seiner Absicht, eine Schlacht anzunehmen, ehe er wußte, was seine Flotte in Seeland ausgerichtet hatte. Um nicht handgemein zu werden, brach er fast jede Nacht sein Lager ab und zog, stets von den Vlaemen verfolgt, kreuz und quer durchs Land.

Am 10. August 1304 fand endlich die Seeschlacht zwischen den beiden Flotten statt. Das Gefecht dauerte zwei Tage, vom Morgen bis zum Abend. Am ersten Tag war das Kriegsglück auf seiten der Vlaemen, und vielleicht würden sie den vollen Sieg errungen haben: aber ihre Schiffe waren des Nachts auf eine Sandbank festgetrieben worden, und so wurden sie am anderen Tage von den Franzosen unter dem berühmten Admiral Renier Grimaldi geschlagen. Ihre Schiffe wurden verbrannt, und der junge Gwijde fiel mit vielen anderen Rittern in die Hände der Feinde. Jan van Renesse, der mutige Seeländer, der mit wenigen Leuten Utrecht bewachte, wollte die Stadt verlassen und bestieg einen Nachen, um über die Leck zu fahren; doch das Schiff hatte zu schwer geladen, sank mitten im Fluß, und der edle Ritter Jan fand ein klägliches Ende – er ertrank. Als die Vlaemen dieses Unglück von den Flüchtigen erfuhren, betrauerten sie ihn mit schmerzlichen Klagen und schwuren, ihn nicht ungerächt zu lassen.

Als die Nachricht von dem Ausgang der Seeschlacht in das französische Lager kam, befand sich dies bei Rijssel auf dem Peuvelberg. Philipp der Schöne gab die Stellung, obgleich sie günstig war, auf und bezog etwas abseits eine andere, während jene unmittelbar nachher von den Vlaemen besetzt wurde. Die wollten die Schlacht nicht länger hinausschieben. Es war den Feldherren unmöglich, sie noch länger zurückzuhalten. So stellten sie sich also in Schlachtordnung, um den Feind anzugreifen. Als Philipp der Schöne das sah, sandte er einen Boten mit Friedensvorschlägen; aber die Vlaemen wollten nichts davon hören und schlugen den Boten tot.

Kurz darauf fielen sie mit furchtbarem Geschrei und donnerndem Hurra über die Franzosen her, die verwirrt und erschreckt durcheinander liefen. Beim ersten Ansturm wurden die vordersten Glieder über den Haufen geworfen und erschlagen. Das vlaemische Heer kämpfte mit noch größerer Erbitterung als in der Schlacht bei Kortrijk; und die Franzosen konnten ihnen nur schwachen Widerstand bieten, obzwar sie mit gleichem Mute fochten. Philipp von Flandern und Wilhelm von Jülich drangen durch alle feindlichen Scharen hindurch bis zu König Philipp dem Schönen, der dadurch in großer Gefahr schwebte. Seine Leibwache rund um ihn wurde niedergemacht; und er wäre sicherlich auch gefangen oder getötet worden, wenn man ihm nicht seinen Mantel und die anderen Abzeichen seiner Würde genommen hätte. Derart unkenntlich gemacht, entkam er; er hatte nur eine leichte Wunde durch einen eisernen Pfeil erhalten. Das französische Heer wurde vollständig in die Flucht geschlagen, und die Vlaemen errangen einen entscheidenden Sieg.

Selbst das französische Kronbanner (die Oriflamme) wurde in Stücke gerissen, wie die Chronik von Flandern es berichtet.

In dieser Schlacht verlor Wilhelm von Jülich das Leben. Die Vlaemen waren bis zum Abend damit beschäftigt, des Königs Zelt und all die anderen Kostbarkeiten zu erbeuten. Dann kehrten sie nach dem Peuvelberg zurück, um sich etwas zu erquicken. Da sie jedoch hier nichts fanden, brachen sie nach Rijssel auf. Am anderen Tage kehrten alle in ihre Heimat zurück. Diese Schlacht wurde am 15. August 1304 geliefert.