„Aber, Herr Vater,“ rief er aus, „was erzählt man mir da! Ihr wollt Euch Euern Feinden ausliefern, so daß sie Euer graues Haupt mit Schmach bedecken können, – so daß die schnöde Johanna Euch in Fesseln schlagen kann?“
„Ja, mein Sohn,“ antwortete Gwijde mit Würde. „Ja, ich gehe nach Frankreich – und Du begleitest mich. Dein Vater will es so!“
„Nun, so sei's!“ entgegnete Robrecht. „Aber der Fußfall, der schändliche Fußfall?“
„Ich werde den Fußfall tun und Du auch,“ war die unerbittliche Antwort.
„Ich?“ rief Robrecht zornig. „Ich soll den Fußfall tun. Ich, Robrecht van Bethune, soll unserem Feinde zu Füßen fallen? Wie! Der Löwe von Flandern soll sein Haupt vor einem Franzosen beugen, vor einem Falschmünzer, vor einem Meineidigen?“
Der Graf ließ einige Augenblicke verstreichen. Als er glaubte, daß Robrecht sich etwas beruhigt hatte, sagte er:
„Du wirst es tun, mein Sohn!“
„Nie und nimmer,“ rief Robrecht aus, „niemals werde ich meine Waffen mit solcher Schmach bedecken. Ich sollte mich vor einem Fremdling beugen, – ich? Da kennt Ihr Euern Sohn schlecht, Vater!“
„Robrecht!“ entgegnete Gwijde kaltblütig. „Der väterliche Wille ist ein Gesetz, gegen das Du nicht handeln darfst. – Ich will es so!“
„Nein,“ rief Robrecht nochmals, „der Löwe von Flandern beißt, – aber er schmeichelt nicht. Nur vor Gott und vor Euch beuge ich mein Haupt. Aber niemals, niemals vor einem anderen Menschen!“