„Aber, Robrecht,“ entgegnete ihm der Vater, „hast Du denn gar kein Mitleid mit mir, mit Deiner unglücklichen Schwester Philippa, mit Deinem Vaterland, daß Du das einzige Mittel, das uns noch helfen kann, zurückweist?“

Robrecht, in dessen Brust Schmerz und Zorn tobten, ballte in ungestümem Jammer beide Fäuste.

„Wollt Ihr denn, o mein Herr und Vater,“ antwortete er, „daß ein Franzose auf mich wie auf seinen Sklaven herabsieht? Der Gedanke allein kränkt mich tödlich. Nein, nein, – niemals. Euer Befehl, sogar Eure Bitte ist nutzlos! – Ich werde es nie tun!“

Zwei Tränen glänzten auf den schmalen Wangen des alten Grafen. Der sonderbare Ausdruck in seinem Antlitz ließ die anwesenden Ritter im Zweifel, ob Freude oder Schmerz sie vergossen hatte; denn ein trostreiches Lächeln schien seine Züge zu erhellen.

Robrecht wurde durch die Tränen seines Vaters tief ergriffen; sein Herz schlug in Höllenpein. Außer sich vor Erregung rief er:

„Verwünscht, verflucht mich, o mein Fürst und Vater; aber ich versichere Euch, daß ich niemals mit krummem Rücken vor einem Franzosen kriechen werde, – und sollte ich Euerm Befehl trotzen!“

Robrecht van Bethune erschrak über seine eigenen Worte. Er wurde bleich und bebte am ganzen Körper. Er rang seine zuckenden Hände, und man hörte, wie die eisernen Schuppen seiner Panzerhandschuhe klirrend aneinander schlugen. Er fühlte seinen Mut sinken und erwartete mit tödlicher Angst den Fluch seines Vaters.

Während die Ritter in größter Bestürzung auf die Antwort des Grafen harrten, schlang dieser seine schwachen Arme um Robrechts Hals, und mit Tränen der Freude und Liebe rief er aus:

„O mein edler Sohn! Mein Blut, das Blut der Grafen von Flandern fließt rein in Deinen Adern. Dein Ungehorsam hat mir den schönsten Tag meines Lebens bereitet. Nun will ich gern sterben! Nimm mich in Deine Arme, o mein Sohn; denn ich fühle mich unaussprechlich glücklich.“