Die anwesenden Herren waren von Verwunderung und Mitgefühl tief erschüttert. In feierlicher Stille sahen sie schweigend auf diese Umarmung. Der alte Graf ließ seinen Sohn los und blickte in leidenschaftlicher Begeisterung auf seine Lehnsleute.
„Seht her, meine Herren,“ sagte er, „so war ich in meiner Jugend; – so waren die Dampierres immer. Urteilt nach dem, was ihr gehört und gesehen habt, ob Robrecht die Grafenkrone nicht verdient. – O Flandern, so sind deine Krieger. Ja Robrecht, Du hast recht. Ein Graf von Flandern darf sein Haupt vor keinem Fremdling beugen. Aber ich bin alt und bin der Vater der gefangenen Philippa und auch Deiner, mein tapferer Sohn! Ich werde Philipp dem Schönen zu Füßen fallen. So befiehlt es Gott! Ich unterwerfe mich seinem heiligen Willen. Du wirst mich begleiten. Aber Dein Haupt wirst du nicht beugen. – Bleibe stets dabei, auf daß die Grafen, die nach mir kommen werden, ohne jede Schmach und Schande ihr Haupt erheben können!“
Hierauf besprach man das Nähere der Reisevorbereitungen und noch verschiedene politische Fragen. Robrecht van Bethune hatte seine Ruhe wiedergewonnen; er verließ den Saal und ging in das kleinere Gemach, in dem sich Machteld aufhielt. Er ergriff die Hand des jungen Mädchens, führte es zu einem Lehnstuhl, und dann zog er, ohne ihre Hand loszulassen, einen zweiten Sessel heran, in den er sich setzte.
„Meine liebe Machteld,“ sagte er, „Du hast Deinen Vater doch lieb, nicht wahr?“
„O ja, das wißt Ihr doch ganz genau,“ rief die Maid aus, und streichelte mit ihren zarten Händen die rauhen Wangen des Ritters.
„Aber,“ sagte nun Robrecht, „wenn nun jemand zu meiner Verteidigung sein Leben aufs Spiel setzte, würdest Du den nicht auch lieb haben?“
„Sicherlich,“ war ihre Antwort, „und ich würde ihm dafür ewig dankbar bleiben.“
„Jetzt hat nun ein Ritter Deinen Vater gegen einen Feind verteidigt und ist tödlich verwundet worden.“
„O Gott,“ seufzte Machteld, „ich will vierzig Tage für ihn beten und auch noch länger, – bis er gesund wird.“
„Ja, bete auch für mich, mein gutes Kind; aber ich verlange noch etwas von Dir.“