„Sprecht nur, Herr Vater! Ich bin Eure gehorsame Tochter.“
„Versteh mich recht! Ich verreise auf einige Tage, – und Dein Großvater und alle Edelleute, die Du kennst, ziehen gleichfalls fort. Wer wird nun dem armen verwundeten Ritter zu trinken geben, wenn ihn dürstet?“
„Wer das tun wird? Ich, Herr Vater; ich werde ihn nie verlassen, bis Ihr wiederkommt. Ich werde meinen Falken mit in sein Zimmer nehmen und ihm stets Gesellschaft leisten. Fürchte nicht, daß ich ihn den Dienstboten überlasse! Meine Hand soll ihm die Trinkschale an seine Lippen führen, wenn ihn dürstet. Und wie will ich mich freuen, wenn er wieder gesund wird!“
„Das ist recht von Dir, mein Kind. Ich kenne Dein liebevolles Herz; aber Du mußt mir noch versprechen, daß Du in den ersten Tagen seiner Krankheit kein Geräusch in seinem Zimmer machen wirst. Auch darf kein Dienstbote dort laut sein.“
„O, nein, das braucht Ihr nicht zu befürchten, Vater. Ich werde ganz leise mit meinem Falken sprechen, so daß es der Ritter nicht hören kann.“
Robrecht nahm die gute Machteld bei der Hand und führte sie aus dem Zimmer.
„Ich werde Euch den Kranken zeigen,“ sagte er, „aber sprich nicht laut in seiner Gegenwart.“ Adolf van Nieuwland war durch die Knappen in einem Saal in Robrechts Wohnung auf ein Bett gelegt worden. Zwei Ärzte hatten die Wunde verbunden und standen mit Dietrich dem Fuchs neben dem Krankenlager. Der Kranke gab kein Lebenszeichen von sich, sein Antlitz war bleich, die Augen geschlossen. –
„Nun, Meister Rogaert,“ wandte sich Robrecht an einen der Ärzte, „wie geht es unserem unglücklichen Freunde?“
„Schlecht,“ antwortete Rogaert, „recht schlecht, Herr van Bethune. Ich kann noch nicht sagen, ob man hoffen kann; aber ich glaube, er wird nicht sterben müssen.“
„Ist die Wunde nicht tödlich?“