„O doch, tödlich oder nicht tödlich, die Natur ist der beste Arzt; sie tut zuweilen mehr Wunder als Kräuter oder Steine[13]. Ich habe ihm einen Dorn von der Krone unseres Heilandes auf die Brust gelegt; – diese heilige Reliquie wird uns helfen.“

Während dieses Gesprächs war Machteld näher an den Kranken herangetreten. Die Neugier trieb sie, das Gesicht des kranken Ritters zu erkennen. Plötzlich erkannte sie Adolf Nieuwland. Mit einem Aufschrei fuhr sie zurück, eine Flut von Tränen stürzte aus ihren Augen, sie schrie laut auf.

„Was soll das heißen, meine Tochter?“ sagte Robrecht. „Kannst Du Dich nicht mäßigen, Du mußt Dich ruhig und leise am Bett eines Kranken verhalten.“

„Ruhig sein!“ schluchzte die Maid. „Ruhig sein, wo Herr Adolf im Sterben liegt, er, der mich so schöne Lieder lehrte! Wer wird nun der Minnesänger von Wijnendaal sein? Wer wird nun beim Abrichten meiner Falken helfen und mein Bruder sein?“ –

Dann trat sie an das Bett, betrachtete weinend den verwundeten Ritter und rief schluchzend:

„Adolf, Herr Adolf, mein guter Bruder!“

Als sie keine Antwort bekam, schlug sie die Hände vors Gesicht und sank weinend in einen Stuhl. Robrecht glaubte, seine Tochter würde nicht aufhören mit Klagen, und ihre Gegenwart würde dadurch eher schädlich als nützlich sein; er ergriff deshalb die junge Machteld bei der Hand:

„Komm, mein Kind,“ sagte er, „komm aus diesem Zimmer heraus, bis Du Dich gefaßt hast.“

Doch Machteld wollte das Gemach nicht verlassen, sie antwortete: