„Nein, gute Maria,“ antwortete Adolf. „Nie habe ich in meiner Krankheit Durst gelitten: hat mich doch die edelmütige Machteld gar fürsorglich gelabt! Sobald ich nur zum heiligen Kreuz[18] wandern kann, soll mein Gebet den Segen Gottes auf sie niederflehen, auf daß ihr nie ein Unglück widerfahren möge.“
Inzwischen erzählte Machteld eifrig flüsternd ihrem Falken von der erfreulichen Besserung. Als der Vogel seine Gebieterin so fröhlich sah, schüttelte er sein Gefieder, als rüstete er sich zur Jagd.
„Treuer Vogel,“ sagte das Mägdelein, indem es des Falken Kopf Adolf zuwandte, „sieh, nun wird Herr van Nieuwland gesund, den wir so lange in tiefem Schweigen daliegen sahen. Nun können wir zusammen sprechen und werden nicht mehr so im Dunkeln sitzen. Unsere Furcht entschwand, und so wird auch aller Kummer entweichen, denn nun wirst du wohl inne, daß Gott gütig und gerecht ist. Ja, mein schöner Falke, so endet wohl auch dereinst die bittere Gefangenschaft von …“
Hier merkte Machteld, daß sie fast etwas gesagt hätte, was der kranke Ritter nicht wissen sollte. Aber brach sie auch kurz ab, das Wort „Gefangenschaft“ erklang befremdend in Adolfs Ohr. Auch die Tränen, die er bei seinem Erwachen auf des Mägdeleins Wangen bemerkt hatte, erfüllten ihn nun mit banger Ahnung.
„Was sagt Ihr, Machteld?“ rief er, „von wessen Gefangenschaft sprecht Ihr? Ihr weint! Himmel, was ist Euch widerfahren?“
Machteld durfte nicht antworten; aber Maria lenkte geschickt ein und flüsterte ihm ins Ohr:
„Sie meint die Gefangenschaft ihrer Tante Philippa; sprich nicht mehr darüber; denn sie weint unaufhörlich. Da es dir nun besser geht, kann ich bald Wichtiges mit dir besprechen, wenn Meister Rogaert es erlaubt; aber sie darf uns nicht hören, auch will ich erst Meister Rogaert erwarten. Nun bleib' ruhig, lieber Bruder, ich will Machteld in ein anderes Zimmer führen.“
Der Ritter ließ sein Haupt in die Kissen sinken und stellte sich, als ob er ruhe. Alsbald wandte sich Maria zu Machteld und sprach:
„Kommt, laßt uns gehen; denn Adolf möchte ein wenig schlafen. Aus Dankbarkeit gegen Euch spricht er zu viel.“
Das Mädchen folgte willig ihrer Freundin. Bald darauf trat der Wundarzt Rogaert ein, und Maria führte ihn zu ihrem Bruder.