Nach kurzem, tiefem Nachdenken ward plötzlich sein Gesicht finster; flehend blickte er den Arzt an und sprach:

„O Gott! wie quälend wird nun meine Wunde, wie unerträglich das Krankenlager! Rogaert, werter Freund, o macht mich doch rasch gesund – Gott wird's Euch vergelten, damit ich etwas für sie tun kann, die mich so liebreich in meiner Krankheit gepflegt hat. Spart kein Geld, braucht die köstlichsten Kräuter, die edelsten Arzneien, damit ich aus dem Bett komme, denn hier werde ich fürder keine Ruhe mehr haben!“

„Aber, Herr van Nieuwland,“ antwortete Rogaert, „die Heilung Eurer Wunde läßt sich nicht beschleunigen, die Natur muß immer Zeit haben, die Wundflächen wieder zu vereinigen. Geduld und Ruhe werden Euch mehr helfen als alle Wundersteine. Aber wir wollten Euch noch mehr sagen. Wißt, daß die Franzosen überall die Herren spielen und mit jedem Tag hochmütiger werden. Bisher haben wir die junge Machteld noch ihren Augen entzogen, aber wir fürchten, sie könnte doch einmal entdeckt werden, und dann kann es geschehen, daß auch sie an Johanna von Navarra ausgeliefert wird.“

„Heiliger Himmel!“ rief Adolf aus, „Ihr habt recht, Meister Rogaert, man würde sie nicht schonen! Aber was tun? Welch Elend, so da zu liegen, während sie meine Hilfe braucht!“

„Ich weiß einen Platz,“ erwiderte Rogaert, „wo Machteld in Sicherheit sein würde.“

„O, Ihr rettet mich aus der Verzweiflung, sagt rasch, wo das ist!“

„Meint Ihr nicht, Adolf, daß sie im Jülicher Lande bei ihrem Ohm Wilhelm in aller Ruhe bleiben könnte?“

Bei dieser Frage erschrak der Ritter sichtlich. Sollte er Machteld in fremde Lande ziehen lassen? Sollte er sich selbst in die Unmöglichkeit setzen, ihr zu helfen, sie zu verteidigen? Dazu konnte er sich nicht entschließen, da er sich doch schon innerlich vorgenommen hatte, Machteld persönlich ihrem Vater zurückzugeben und sie vor jeder Kränkung zu bewahren.

Er bot all seine Seelenkräfte auf, um einen anderen Weg zu finden, ohne daß sie so weit von ihm fort mußte. Als er ihn gefunden glaubte, verklärte die Freude sein Gesicht, und er entgegnete: