Die Anwesenden lauschten neugierig den ungezwungenen Worten des Fleischers. Seine Stimme war angenehm und wohlklingend, ohne die Weichheit einer Frauenstimme. De Coninck bedachte, daß Breydels Vorhaben heikel war und antwortete daher:

„Meister Jan, ich komme mit; wir werden unter uns die nötigen Maßnahmen treffen. Erst aber erkennet in dieser edlen Jungfrau die Tochter von unserem Herrn Robrecht van Bethune!“

Breydel warf sich bestürzt vor Machteld auf die Knie, blickte zu ihr auf und rief:

„O meine durchlauchtigste Gebieterin! vergebt mir die unbesonnenen Worte, die ich ahnungslos vor Euch sprach. Die edle Tochter des Löwen von Flandern, unseres Herrn, möge es einem geringen Bürger nachsehen.“

„Steht auf, Meister,“ antwortete Machteld freundlich. „Eure Worte haben mich nicht verletzt; denn Liebe zum Vaterland und Haß gegen unsere Feinde gaben sie Euch ein. Ich danke Euch für Eure Treue.“

„Gnädige Gräfin,“ sprach Breydel, und stand auf, „Euer Edeln können nicht glauben, wie sehr ich die Snakkers[21] und Leliaerts hasse! O, könnte ich das Leid rächen, das dem Hause von Flandern angetan wurde, – o, könnt' ich's doch! Aber der Obmann der Wollenweber kommt mir immer dazwischen. Vielleicht hat er recht, denn aufgeschoben ist nicht aufgehoben; aber ich kann kaum an mich halten. Morgen kommt die falsche Königin von Navarra nach Brügge: Gott wende meinen Sinn, sonst sieht sie ihr verhaßtes Frankreich nicht wieder.“

„Meister,“ sprach Machteld, „wollt Ihr mir etwas versprechen?“

„Ich Euch etwas versprechen, edle Dame? Wie gütig sprecht Ihr doch zu Eurem unwürdigen Diener! Ein Gedanke von Euch soll mir ein heiliges Gebot sein, durchlauchtige Jungfrau!“

„Gut; ich wünsche, daß Ihr während der Anwesenheit Eurer neuen Fürsten die Ruhe nicht stört.“

„Es soll geschehen,“ sagte Breydel betrübt, „ich hätte lieber gehört, daß Ihr meinen Arm und mein Messer braucht. Aber was nicht ist, kann noch werden!“