Dann beugte er nochmals ein Knie vor der jungen Machteld und fuhr fort:

„Ich bitte, ich beschwöre Euch, edle Tochter des Löwen, vergeßt Euren Diener Breydel nicht, falls Ihr jemals mutiger Männer bedürfet. Die Fleischerzunft wird ihre Goedendags und ihre Messer Euch zu Diensten geschliffen halten.“

Das Mädchen erschrak nicht wenig über dies blutige Anerbieten; aber der junge Mann gefiel ihr sehr.

„Meister,“ entgegnete sie, „ich werde meinen Herrn und Vater, wenn ihn mir Gott zurückgibt, von Eurer Treue in Kenntnis setzen; ich kann Euch nur meiner Dankbarkeit versichern.“

Bei diesen Worten stand der Obmann der Fleischer auf und zog De Coninck am Arm mit sich fort. Nachdem beide das Zimmer und das Nieuwlandsche Haus verlassen hatten, plauderten die Zurückbleibenden noch lange über den unerwarteten Besuch.

Als die beiden auf der Straße waren, begann De Coninck:

„Meister Jan, Ihr wißt, der Löwe von Flandern war immer ein Freund des Volkes; deshalb ist es unsre Pflicht, seine Tochter wie ein Heiligtum zu hüten.“

„Still,“ sprach Breydel, „der erste Franzose, der sie unfreundlich ansieht, soll mit meinem Kreuzmesser Bekanntschaft machen. Aber, Meister Peter, wäre es nicht besser, wenn wir die Tore schlössen und Johanna nicht in die Stadt ließen? Alle Fleischer stehen bereit; die Goedendags stehen hinter der Tür, und auf den ersten Ruf sind die Leliaerts …“

„Hütet Euch wohl, Gewalttätigkeiten zu begehen,“ unterbrach De Coninck. „Es ist überall Sitte, seinen Landesherrn prunkvoll zu empfangen – das kann also die Gemeinde nicht entehren. Es ist besser, die Kräfte für wichtige Unternehmungen aufzusparen. Das Vaterland wimmelt von französischen Kriegsknechten, und wahrscheinlich würden wir gegen sie den kürzeren ziehen.“

„Aber, Meister, das dauert schon zu lange. Wir wollen lieber den Knoten mit einem guten Messer durchschneiden, statt ihn so langsam zu lösen. Ihr versteht –!“