„Die Freiheit,“ antwortete De Coninck, „haben wir mit dem Schweiß unseres Angesichts, mit unserem Herzblut erkauft – und Ihr solltet sie vernichten?“

Gistel lächelte spöttisch und fuhr fort:

„Eure Worte und Drohungen sind leerer Schall, Meister. Mit den französischen Truppen werden wir dem Ungestüm schon die Flügel beschneiden. Andere Gesetze werden die Gemeinden beherrschen; der Starrsinn hat lange genug gewährt. Seid nur ruhig, es ist dafür gesorgt, daß Brügge demütig seinen Nacken beugen wird und Ihr – werdet das Sonnenlicht nicht mehr erblicken.“

„Tyrann!“ rief der Obmann der Weber, „Ihr Schande von Flandern! Wölbt sich das Grab Eurer Väter nicht in dieser Erde? Ruhen ihre heiligen Gebeine nicht in dem Schoß des Landes, das Ihr dem Fremden verschachert, Ihr Bastard? Die Nachwelt wird das Urteil über Eure Schandtat fällen, und in den Chroniken Eurer Kinder wird man den Fluch über Euren Verrat lesen.“

„Genug von Euren lächerlichen Schmähungen!“ rief Gistel; „in den Kerker der Missetäter mit ihm, bis der Galgen ihn empfängt.“

Auf dies Geheiß ward De Coninck über die Treppen in ein unterirdisches Verlies geführt. Ein eiserner Gürtel umschloß ihn, und eine Kette fesselte seinen linken Fuß an seine rechte Hand. Er bekam etwas Wasser und Brot; dann wurde der Kerker geschlossen, und er blieb allein an diesem dunklen Orte.

Die Worte des Zöllners hatten ihn tief erschüttert: er sah die Freiheit seiner Vaterstadt ernstlich bedroht. In seiner Abwesenheit konnte es den Leliaerts möglicherweise glücken, mit den französischen Truppen die Stadt einzunehmen und den Bau zu zerstören, dem er sein ganzes Leben geweiht hatte. Dieser Gedanke war für den Volksfreund furchtbar. Rüttelte er zuweilen schmerzlich an seinen Ketten, dann war es ihm, als sähe er seine Brüder in solchen Fesseln, als Opfer schändlichster Knechtschaft. Und dann erschimmerte eine bittere Träne auf seinen Wangen.

Die Leliaerts hatten schon längst einen verräterischen Anschlag unter sich vereinbart. Bisher konnten sie ihre Herrschaft in Brügge nicht fest begründen; denn da alle Bürger bewaffnet waren, so konnte man sie nicht zwingen, die Befehle auszuführen. Wollte der Magistrat gegen die Bürgerschaft Gewalt anwenden, dann kamen die schrecklichen Goedendags zum Vorschein, und alle Anstrengungen blieben fruchtlos, – die Zünfte waren zu mächtig. Um nun ein für allemal dies lästige Hindernis fortzuräumen, waren die Leliaerts mit dem Landvogt Châtillon übereingekommen, am nächsten Morgen ganz früh die Bürgerschaft zu überfallen und zu entwaffnen. Châtillon sollte zur selben Stunde mit fünfhundert französischen Reitern vor den Toren stehen. De Coninck allein war es möglich, diesen Plan zu entdecken, so geheim man ihn auch halten mochte. Er verfügte über geheime Hilfsmittel, denen die Französlinge vergeblich nachzuspüren gesucht hatten. Der Obmann der Weber war listiger als sie alle, das wußten sie. Und um dem Volke seinen schlauen Beschützer zu entreißen und es hierdurch arg zu schwächen, hatten sie ihn gefangengenommen. Brakels Enthüllungen über den Widerstand der Weber diente ihnen nur als Vorwand.

Nachdem sie die Stadt Brügge derart durch nichtswürdige Anschläge den geldgierigen Fremden verkauft hatten, wollten sie sich trennen. Da flog die Saaltür auf, und ein Mann drängte sich gewaltsam durch die Wächter. Mit stolzem Schritte trat er zu dem Magistrat und rief:

„Die Zünfte von Brügge lassen euch fragen, ob ihr De Coninck loslassen wollt oder nicht? Ich rate euch, bedenkt euch nicht lange!“