„Meister Breydel,“ antwortete Gistel, „Ihr habt keine Erlaubnis, in diesen Saal zu treten; verlaßt ihn schleunigst!“
„Ich frage euch,“ wiederholte Jan Breydel, „ob ihr den Vorsteher der Wollweber loslassen wollt?“
Gistel flüsterte leise einer der Magistratspersonen etwas ins Ohr und rief dann:
„Wir beantworten die Drohungen eines starrköpfigen Schurken mit der verdienten Strafe: Nehmt ihn gefangen!“
„Ha, ha! Nehmt ihn gefangen?“ rief Breydel lachend, „wer soll mich denn gefangennehmen? Wisset denn, daß die Bürgerschaft im Begriff steht, sich des Prinzenhofs gewaltsam zu bemächtigen, und daß ihr alle mit eurem Leben für das Leben des Obmanns der Weber haftet. Das Liedchen wird gleich anders klingen, das versichere ich euch.“
Derweile waren einige Wachen herangekommen und hatten den Vorsteher der Fleischer beim Kragen gepackt; einer richtete schon die Stricke, mit denen er gebunden werden sollte. Während Breydel sprach, hatte er diese Vorbereitungen kaum beachtet; als er sich nun aber von den Leliaerts den Wachen zuwandte, entrang sich ein dumpfer Laut seiner Brust, gleich dem Gebrüll eines Stieres. Flammenden Auges blickte er seine Häscher an und rief:
„Denkt ihr, Jan Breydel, ein Fleischer von Brügge, läßt sich wie ein Kalb binden? Ho, ho, heute jedenfalls nicht!“
Er hatte diese Worte mit fürchterlicher Wut ausgestoßen. Nun hieb er dem Söldner, der ihn beim Wams festhielt, so gewaltig mit der Faust auf den Kopf, daß der wankend zu Boden stürzte. Wie ein Blitz fuhr er unter die erschrockenen Wächter, warf eine Menge nieder, und als er zur Tür gelangt war, drehte er sich um und fuhr die Leliaerts heftig an:
„Das sollt ihr büßen, ihr Halunken! Einen Fleischer von Brügge binden! Schmach! Wehe euch, Tyrannen! Hört ihr, die Trommel der Fleischer schlägt euren Totenmarsch!“
Er hätte sie noch weiter bedroht; aber er konnte den andringenden Wachen nicht länger widerstehen und lief wütend die Treppe hinab.