„Was? Was?“ rief Breydel, „hier nützt kein Kampf? Wer gibt Euch diese Worte ein?“

„Vorsicht und Liebe zu meinem Geburtsort,“ antwortete De Coninck. „Wir mögen als Vlaemen auf den Trümmern unserer Stadt mit den Waffen in der Hand sterben; wir würden gern zwischen den blutigen Leichen unserer Brüder jauchzend niedersinken: wir sind ja Männer. Aber unsere Frauen – unsere Kinder – sollten wir wehrlos der zügellosen Rachsucht unserer Feinde ausliefern? Nein, der Mut ist dem Manne verliehen, um seine schwächeren Mitmenschen zu beschirmen … Wir müssen die Stadt übergeben!“

Die Umstehenden erschraken bei diesen Worten, als wäre ein Blitz zwischen ihnen niedergefahren, und sie schauten den Obmann mit zornigen Blicken an. Die Schmach schien ihnen zu groß, und alle riefen in höchster Erregung:

„Die Stadt übergeben? – Wir?“

De Coninck ertrug kalt ihre vorwurfsvollen Blicke und antwortete:

„Ja, Genossen, mag es auch euren freiheitliebenden Herzen mißfallen, es ist dennoch der letzte Ausweg, der uns bleibt, um unsere Stadt vor der Zerstörung zu retten.“

Jan Breydel hatte diese Worte mit bitterem Ingrimm vernommen. Als er merkte, daß schon viele Obmänner schwankend wurden und zur Unterwerfung neigten, trat er leidenschaftlich vor und rief:

„Den ersten, der noch von Übergabe zu sprechen wagt, strecke ich als Verräter zu meinen Füßen nieder! Lieber sterbe ich lachend auf der Leiche eines Feindes, als daß ich ehrlos am Leben bleibe. Was denkt ihr denn – daß meine Fleischer vor der Gefahr beben? Seht sie dort mit ihren aufgestreiften Ärmeln! Ihr Herz pocht wild, ungestüm verlangen sie den Kampf, und ich soll ihnen sagen: übergebt die Stadt! Bei Gott, solche Sprache verstehen sie nicht. Ich sage euch: wir beschützen die Stadt, und wer sich fürchtet, der gehe heim zu Weib und Kind. Die Hand, die das Tor öffnet, reckt sich zum letztenmal – mein Beil soll die Feigheit richten!“

Wutentbrannt eilte er zu seinen Genossen und schritt hastig vor ihren Gliedern auf und ab.