Die Fleischer und die anderen Zunftleute blickten in tiefem Schweigen abwechselnd die beiden Obmänner an.
„Meister Breydel,“ rief De Coninck, „wenn Ihr an unserem Untergang nicht schuld sein wollt, so sagt rasch ja. Dort kommt der Herold der Franzosen zurück; die zehn Minuten sind vorüber!“
Breydel erwachte plötzlich aus tiefem Sinnen und sagte traurig:
„Ihr wollt es, Meister? Muß es so sein? Wohlan, so übergebt die Stadt!“
Bei diesen Worten ergriff er gerührt De Conincks Hand; zwei Tränen innigen Schmerzes entfielen seinen Augen, und ein dumpfer Seufzer schlich über seine Lippen. Die beiden Obmänner sahen sich mit einem Blick an, darin sich ihr ganzer Seelenzustand widerspiegelte. Sie verstanden sich und schlossen einander gerührt in die Arme.
So lagen die zwei größten Männer Brügges – Heldenmut und Vernunft – Brust an Brust, in gegenseitige Bewunderung versunken.
„O tapferer Bruder!“ rief De Coninck, „Ihr besitzt eine große Seele! Welch inneren Kampf habt Ihr durchlebt! Aber Ihr habt ihn bestanden!“
Bei diesem rührenden Anblick ging ein Freudenblitz durch die ganze Schar, und alle Uneinigkeit schwand aus den Herzen der tapferen Vlaemen. Auf De Conincks Befehl ertönte dreimal schmetternd das Horn der Weber, und ihr Herold rief dem französischen Boten zu:
„Gibt Euer Feldherr unserem Gesandten freies Geleit?“
„Er gibt sicheres Geleit, nach Kriegsgebrauch, bei seiner Treue,“ lautete die Antwort.