„Ein vlaemischer Ritter fürchtet den Tod nicht,“ entgegnete Adolf, „nichts kann mich schrecken. Wenn Ihr wüßtet, wie ich seit sechs Monden Tag und Nacht mein Gehirn martere, nach einer Gelegenheit suche, um für das Haus Flandern mein Leben zu wagen, – Ihr würdet mir nicht von Furcht und Gefahr reden. Noch eben, da ich trostlos am Wege saß, bat ich um eine göttliche Eingebung, und durch Euch hat Gott zu mir gesprochen.“

„Wir müssen noch heute nacht fort von hier, damit man nicht hinter unser Geheimnis kommt.“

„Je eher, je lieber! Denn meine Gedanken weilen schon in Bourges bei dem Löwen von Flandern, meinem Herrn und Fürsten.“

„Ihr seid jung, Herr Ritter; aber sonst gleichen Eure Gesichtszüge wohl denen von Herrn Robrecht; nur im Alter seid Ihr gar verschieden. Dies soll uns jedoch nicht hindern; denn meine Kunst wird Euch schnell die fehlenden Jahre verleihen.“

„Was wollt Ihr damit sagen, Vater? Könnt Ihr mich älter machen, als ich bin?“

„O nein. Aber ich kann Euer Gesicht so verändern, daß Ihr Euch selbst nicht wiederkennen sollt. Dazu verwende ich Kräuter, deren Wirkungen ich kenne; denkt aber nicht, daß ich gottlosen Künsten fröhne. Doch nun sind wir ja dicht bei der Stadt: könnt Ihr mir sagen, wo ein gewisser Adolf van Nieuwland wohnt?“

„Adolf van Nieuwland?“ rief der Ritter, „der bin ich ja, mit dem Ihr sprecht!“

Der Priester schien baß verwundert. Er blieb mitten auf dem Wege stehen und blickte den Junker mit geheucheltem Staunen an.

„Wie, Ihr seid Adolf van Nieuwland? Dann ist also Machteld van Bethune in Eurer Wohnung!“

„Diese Ehre ist meinem Haus zuteil geworden,“ antwortete Adolf. „Eure Ankunft wird sie höchlich freuen. Fast kommt der Trost zu spät, den Ihr bringt; denn trauernd siecht sie dahin, als ob sie sterben wollte.“