„Hier, diesen Brief von ihrem Vater könnt Ihr Machteld geben; denn ich merke wohl, daß es Euch glücklich machen wird, ihr Trost zu bringen.“
Dabei holte er unter der Kutte ein Pergament hervor, das mit einem seidenen Faden und durch Siegel verschlossen war und übergab es dem Ritter. Der beschaute es schweigend in höchster Erregung. Seine Vorstellung trug ihn schon zu Machteld, und er spürte die eigne Freude an des Mägdeleins Glückseligkeit. Nunmehr ging ihm der Mönch viel zu langsam; er war immer etwas voraus, denn Ungeduld beflügelte seine Schritte. Als sie in der Stadt bei Adolfs Wohnung angelangt waren, betrachtete der Mönch das Haus, als wollte er es sich einprägen, und sprach:
„Gott mit Euch! Herr van Nieuwland! Heute abend, vielleicht ziemlich spät, komme ich wieder zu Euch. Richtet derweile Euer Gepäck.“
„Wollt Ihr nicht mit mir zu der Jungfrau gehen? Ihr seid so ermüdet: nehmt bitte mit meiner Wohnung vorlieb.“
„Ich danke Euch, Herr; meine Priesterpflichten machen mich anderen Orts nötig. Gegen zehn Uhr treffe ich Euch wieder. Gott nehme Euch in seinen Schutz!“
Damit verließ er den erstaunten Ritter und ging in die Wollstraße, wo er in De Conincks Hause verschwand. Voller Freude über dies unerwartete Glück, das ihm wie ein goldener Traum erschien, pochte Adolf mit heißer Ungeduld an seine Tür. Der Brief des Herrn van Bethune brannte ihm in der Hand, und als der Diener ihm öffnete, stürmte er ungestüm ins Haus.
„Wo ist Machteld? Wo ist Fräulein Machteld?“ fragte er hastig.
„Im Saale an der Straße,“ entgegnete der Diener.
Der Ritter flog die Treppe hinan und öffnete stürmisch die Tür des Saales.
„O edle Machteld,“ rief er, „trocknet Eure Tränen. Nun lacht sonnige Freude, denn unser Unglück ist vorbei!“