Die junge Gräfin saß beim Eintritt Adolfs traurig am Fenster. Sie betrachtete den aufgeregten Junker mit Zweifel und Unglauben.
„Was sagt Ihr?“ rief sie endlich, stand auf und setzte ihren Falken rasch auf den Stuhl, „unser Unglück ist vorbei?“
„Ja, edle Frau, nun harret Euer ein besseres Los. Hier ist ein glückbringendes Schreiben – sagt Euer Herz Euch nicht, von welcher teuren Hand?“
Ehe er noch ausgesprochen hatte, lief Machteld in höchster Aufregung auf ihn zu und riß ihm den Brief aus den Händen. Ungewöhnte Glut färbte ihre Wangen mit flammendem Rot, und Freudentränen entströmten ihren Augen. Sie erbrach das gräfliche Siegel und las den Brief dreimal, ehe sie irgendein Wort zu verstehen schien – ach nein, sie verstand ihn nur zu wohl, das unglückliche Mägdelein. Unaufhaltsam flossen ihre Tränen, aber es war nicht mehr Freude; herber Schmerz entlockte ihr diese Zähren.
„Herr Adolf,“ rief sie schmerzbewegt, „Eure Freude zerreißt mir das Herz. Unser Unglück ist vorbei, sagt Ihr? Da – leset selbst und beweint mit mir meinen unglücklichen Vater.“
Der Ritter ergriff den Brief aus Machtelds Hand und begann ihn gesenkten Hauptes zu lesen. Anfangs glaubte er, der Priester habe ihn betrogen und als Boten einer schrecklichen Nachricht gebraucht; als er aber den ganzen Inhalt des Schreibens kannte, schwand sein Argwohn. Einige Augenblicke sann er schweigend über seine unvorsichtigen Worte nach. Als ihn Machteld so bekümmert sah, bereute sie innerlich den Vorwurf, den sie ihm gemacht hatte; sie trat zu dem traurigen Junker und sagte freundlich:
„Vergebt mir, Herr Adolf. Seid nicht traurig und glaubt nicht, daß ich Euch gram bin, weil Ihr mir zu viel Glück verheißen habt. Ich weiß, wie glühend Ihr auf das Wohl eines armen Mägdeleins bedacht seid. Seid überzeugt, Adolf, daß ich für Eure edelmütige Aufopferung nicht undankbar bin.“
„Edle Machteld,“ rief er, „ein großes Glück kann ich Euch verheißen. Nein, meine Freude ist nicht dahin. Den Inhalt des Briefes kannte ich; aber der war nicht der Grund meiner Freude. Trocknet Eure Tränen, Machteld; ich wiederhole Euch, grämt Euch nicht mehr, denn bald werdet Ihr lange an Eures Vaters Brust ruhen können.“
„O, welches Glück,“ schluchzte Machteld, „sollte es wahr werden? Sollte ich meinen Vater sehen und sprechen? Aber warum quält Ihr mich, Herr Adolf? Weshalb klärt Ihr mir dies Rätsel nicht auf? Sprecht doch, damit meine Zweifel schwinden.“
Ein flüchtiger Schatten verdüsterte die heiteren Züge des Junkers. Er hätte Machtelden die geforderte Erklärung so gern gegeben, aber seine edle Seele duldete nicht, von den eigenen Verdiensten zu sprechen. Mit hörbarer Betrübnis erwiderte er: