„Vergebt es mir, bitte, edle Jungfrau, wenn ich schweige. Seid gewiß, daß Ihr Euren Durchlauchtigen Vater sehen werdet, daß er seine teure Tochter auf dem Boden der Heimat sprechen und umarmen wird; aber mehr darf ich Euch nicht sagen.“
Die junge Gräfin gab sich damit nicht zufrieden. Zweierlei drängte sie, dies Rätsel zu lösen: weibliche Neugier und die noch haftenden Zweifel. In sichtlichem Ärger preßte sie die Lippen aufeinander und sagte schließlich:
„Ach, Herr Adolf, enthüllt mir doch, was Ihr mir verbergen wollt; haltet mich nicht für so unbesonnen, daß ich es zu meinem eigenen Schaden preisgeben würde.“
„Ich darf, ich kann nicht.“
„Es würde mich doch so froh machen, Herr Adolf. Nun also glaube ich Euren Worten nicht. Ihr raubt mir die Freude, die ich erlebt hätte. Sagt mir es doch.“
„Ich bitte Euch, verschont mich, edles Fräulein, ich kann nicht.“
Bei jedem Wort des Ritters wuchs die Neugierde Machtelds. Immer wieder fragte sie ihn nach dem Geheimnis, – vergebens. Endlich packte sie die Ungeduld: als alle Bitten nichts nützten, begann sie aus Ärger wie ein Kind zu weinen. Beim Anblick ihrer Tränen entschloß er sich endlich, ihr alles zu sagen, mochte ihm auch das Eingeständnis der eigenen Aufopferung noch so viel kosten. Machteld las in seinen Zügen ihren Sieg und nahte ihm in froher Erwartung, während er also zu ihr sprach:
„Hört denn, Machteld, wie wundersam ich den Brief und die frohe Nachricht erhielt. In tiefem Sinnen saß ich bei Sevecote und flehte in glühendem Gebet die Gnade des Himmels auf meinen unglücklichen Landesherrn herab. Wie groß war mein Staunen, als ich plötzlich einen Priester vor mir stehen sah! Sofort dachte ich, mein Gebet sei erhört und dieser Mann werde mir Trost bringen – und so war es auch; denn aus seiner Hand empfing ich den Brief, aus seinem Mund vernahm ich die Kunde: Euer Vater kann sein Gefängnis auf einige Tage verlassen, aber ein anderer Ritter muß die Ketten für ihn tragen.“
„Welche Freude!“ rief Machteld aus, „ich werde ihn sehen und sprechen. O mein Vater, mein teurer Vater! Wie dürstet meine Seele nach Eurer Umarmung! Adolf, Ihr macht mich überglücklich; Eure Worte tun so wohl! Aber wer wird die Stelle meines Vaters einnehmen wollen?“
„Der Mann ist schon gefunden,“ gab der Ritter zur Antwort.