Die Gräfinn war im Spätherbst jenes Jahres, welches ihren Gemahl seinen Freund wiederfinden ließ, schnell und sonder Gefährlichkeit von einer Tochter entbunden worden. Ein niedliches Mädchen machte ihr das Leben leicht. Dennoch schien die Mutter tödtlich erschöpft.
»Das Kind ist im Zeichen des Krebses geboren –« sagte die Wärterinn nach einem Blick in den Calender, »Gott verhüte, daß ihm nicht Alles rückgängig werde!« Die Gräfinn erschauerte bei diesen Worten in einer andern Furcht.
Die Kleine ward Albane getauft, und gedieh wunderschön an der Brust einer derben Amme. Keine Spur von Krämpfen zog das Herz der Mutter in der Befürchtung zusammen, dies Engelskind werde ja doch nur wieder ein geliehenes Gut seyn, wie die kleinen Brüder – was sie nach kurzer Zeit mit tausend Thränen zurück zahlen müssen. Langsam hatte sich die Gräfinn erholt, und war auch bei wiedererlangten Kräften, und ihres Anlasses zur Freude ungeachtet, in sich gekehrt und traurig geblieben.
Zwei Jahre waren seitdem verstrichen, als eines Tages Romana sich bei seinem Freunde im Schloß befand. Sie unterredeten sich über die Zukunft seines Sohnes. »Sylvius bekommt einmal Deine Stelle –« sagte Graf Frankenstern gleichsam zusichernd. Er sprach damit die Gewißheit an, den Vater des künftigen Forstmeisters zu überleben.
»Meinem Wunsche nach,« antwortete Jener, »geht er in die weite Welt.«
»Dein einziger Sohn?« erwiederte der Graf mit Vorwurf, »Du willst doch nicht, daß er ein Glücksritter werde?«
»Warum nicht? bin ich doch auch Einer –« sagte Romana, und lächelte wie ein Eremit. »Sieh lieber Frankenstern,« fuhr er fort, »die Seinen für sich behalten und in den Kreis der angestammten Verhältnisse einschließen wollen, wäre engherzig gedacht. Nur in der Welt wird der Mann ein Mensch und lernt brüderlich denken. In diesem Aussenden liegt mir etwas Göttliches –«
»Wir aber sind Menschen, Romana,« unterbrach ihn der Graf, »und es liegt in der Natur, daß man sein Kind so nahe und so lange als möglich um sich habe; es ohne Noth dem Zufall zu opfern, kommt mir wie Vermessenheit vor.«
»Aber gehorsam dem Willen des Herrn? oder einer heiligen Idee?« wendete Romana mit erhöheter Stimme ein, »ich fühle, das würde ich können. Wäre es dem Sylvius bestimmt, in einem rechtlichen Kriege zu fallen: so preise ich ihn selig. Zöge er übers Meer, um die Heiden dem Erlöser zuzuführen und versänke: ich würde deshalb nicht zu Boden sinken. Im Aufgeben, Freund, liegt das wahre Haben, und das Geheimniß ewigen Gewinns. Wie ärmlich ist das Leben, wenn es keinen andern Werth hat, als daß man athme!« der Graf seufzte schwer, und Romana verließ ihn.
Noch wirkte dieses Gespräch nach, als die Gräfinn in das Zimmer ihres Gemahls trat. Die kleine Albane hing schlafend auf ihrem Arme, und das volle Händchen des Kindes, wie aus rosigem Wachs mit reizenden Grübchen geformt, lag schützend auf der linken Brust der Mutter.