Den Grafen rührte dieser Anblick. Er küßte väterlich sacht diese kleine Hand, und das Mutterherz darunter schlug stärker. Vielleicht ward in diesem Augenblicke der Gedanke an das, was Romana gesagt, zu einer stillen Freude, daß dies sein einziges Kind eine Tochter sey. Zum erstenmale äußerte er, wie glücklich ihn der Besitz des Kindes mache, und daß es so gesund sey, und die Mutter dazu, um die er vordem doch sehr besorgt gewesen.

Die Gräfinn entfärbte sich. Mit bewegter Stimme sagte sie: »es könnte seyn, daß ich mein Leben um einen Preis gerettet hätte, der Dir mißfällt.«

Dem Grafen fiel diese Aeußerung auf. Er sah seine Frau forschend an, welche ihm nunmehr gestand, wie sie seit ihrer Verheirathung ein schadhaftes Fleckchen in der Brust verspürt, was ihr dann und wann Schmerzen, immer aber Kummer verursacht habe. In jedesmaliger Schwangerschaft sey es schlimmer damit geworden, bis endlich bei der Geburt der kleinen Albane der leidende Theil sich zu Stein verhärtet und dergestalt sich entzündet habe, daß sie (die Gräfinn) fürchten müssen, den Krebs zu bekommen, wenn sie nicht Muth zu einem gewagten Schritt fassen könnte. –

Der Graf legte beide Hände vor das Gesicht, schon bedeckt von der Blässe des Grauens. Er sagte: »gut, daß ich es nicht wußte; der bloße Gedanke macht mich schaudern. Eine Operation solcher Art brächte mich von Sinnen. Du glaubst nicht,« setzte er mit scheuem Vertrauen hinzu, »wie tausend Dinge, stumpf für den Verstand Anderer, in mein Gehirn bohren! diese Vorstellung zum Beispiel – durchdringt mich entsetzlich.« Seine Lippen zuckten, als wühle ein Messer in seiner Seele.

Die Gräfinn hätte beinahe ihr Geständniß bereut – gewiß hätte sie es sollen. Sie sprach: »in dieser Noth that ich das Gelübde, hülfe mir der Himmel und würde ich geheilt: so solle die Brust meines Kindes sich nie für eitle Wünsche heben – nur dem Heil der Seele. Und es dauerte nicht lange, so genaß ich an einem simpeln Umschlage.«

»Verstehe ich Dich recht?« fragte der Graf schwach, »Albane – eine Klosterfrau?« Die Mutter nickte ängstlich.

»Das ist hart!« murrte der Graf, und seine Frau hatte jene Gefahr nicht härter empfunden, als diese drei Worte. So sprach die Gräfinn weichmüthig: »Du mein Gemahl machst Dir ja selbst nichts aus der Welt, und ihren trüglichen Freuden. Die Güter kommen an fremde Hand – Anverwandte haben wir nicht, Albane stünde allein. So ist sie unter den vornehmsten Schutz gestellt, und die Kirche, eine segensreiche Mutter, giebt ihr Schwestern.«

Der Graf lächelte kalt, und murmelte etwas von Stiefgeschwisterschaft.

»Nein,« fuhr die Gräfinn, ihren Gemahl mißverstehend, fort, »dort würde mir Albane nicht aufgehoben gewesen seyn. – Sage, was fehlt einer Braut Christi?«

»Dieses Glück!« antwortete Graf Frankenstern und deutete auf seine Kleine, »eine Brust, daran solch ein Kind erblüht, kann viel verschmerzen. Ihr seyd zu Müttern geboren. Und – daß ich es nur frei gestehe – ich mag die Klöster nicht leiden, und es wird einmal aller Tage Abend mit ihnen werden. Warum aber soll meine Tochter darin untergehen?«