Frau Alving. Gespensterartig. Als ich Regine und Oswald da drinnen hörte, war mir's, als sähe ich Gespenster vor mir. Aber ich glaube beinahe, Pastor Manders, wir alle sind Gespenster. Es ist nicht allein das, was wir von Vater und Mutter geerbt haben, das in uns umgeht. Es sind allerhand alte, todte Ansichten und aller mögliche alte Glaube und dergleichen. Es lebt nicht in uns; aber es steckt in uns und wir können es nicht los werden. Wenn ich nur eine Zeitung in die Hand nehme, um daraus zu lesen, so ist's mir schon, als sähe ich die Gespenster zwischen den Zeilen umher schleichen. Im ganzen Lande müssen Gespenster leben. Mir ist's, als müßten sie so dicht sein, wie der Sand am Meer. Und dann sind wir alle mit einander ja so gottsjämmerlich lichtscheu.

Pastor Manders. Aha! Da haben wir also die Ausbeute Ihrer Lectüre. Schöne Früchte in der That! O, diese abscheulichen, aufrührerischen, freigeistigen Schriften!

Frau Alving. Sie irren, lieber Pastor. Sie selbst sind der Mann, der mich zum Denken geführt hat, und dafür danke ich Ihnen!

Pastor Manders. Ich!

Frau Alving. Ja; als Sie mich in das hinein zwängten, was Sie Pflicht und Schuldigkeit nannten; als Sie das als recht und wahr lobpriesen, wogegen meine ganze Seele sich als etwas Widerliches empörte. Da war es, daß ich Ihre Lehren an meinem eigenen Saum prüfen wollte. Nur einen einzigen, kleinen Stich gedachte ich aufzuziehen; aber als ich den gelöst hatte, riß das Ganze auf. — Und da sah ich, daß alles nur Maschinennähterei sei!

Pastor Manders (leise, erschüttert). Sollte das der Gewinn aus dem schwersten Kampf meines Lebens gewesen sein?

Frau Alving. Nennen Sie es lieber Ihre traurigste Niederlage!

Pastor Manders. Es war der größte Sieg meines Lebens, Helene; der Sieg über mich selbst.

Frau Alving. Es war ein Verbrechen gegen uns beide.

Pastor Manders. Daß ich Ihnen gebot und sagte: »Weib, geh' heim zu deinem angetrauten Gatten,« als Sie wie im Wahnsinn zu mir kamen und riefen: »hier bin ich, nimm mich!« War das ein Verbrechen?