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Etwa eine Woche später verkündete Roger seiner Gemahlin, die schon zu Bett lag, während er selbst noch ein wenig am Rand ihres Lagers saß, daß er die alte Villa Giramonte gekauft habe. Isabella starrte ihn an. Sie wußte nicht recht, ob sie vielleicht schon im Halbschlaf geträumt hatte, oder ob dies alles Wirklichkeit war. Als aber Roger einen Kaufbrief aus seiner Tasche nahm und auf die weißseidene Steppdecke legte, brach sie vor Freude und Erschütterung fast in Weinen aus. Nur der Gedanke, daß ein solches Geschenk sofort das Gegengeschenk erfordere, hemmte ihre Tränen: Sie gestand dem Grafen, daß sie guter Hoffnung sei. Er konnte es kaum fassen, er rannte im Zimmer umher, bestürmte sie ein über das andre Mal mit Fragen, ob sie sich nicht täusche: aber sie lag mit geschlossenen Augen in den tiefen Kissen, neigte ganz leicht und mit der Miene der Dulderin ihren schönen Kopf und sagte wie im Traum:

»Die Heimat, mein Freund, das Glück, in dieser süßen, milden Luft zu atmen .. überhaupt: alle die anderen Verhältnisse ..«

So entschlief sie. Er aber blieb lange vor ihr stehen und sah auf ihren zarten, heiligen Körper nieder, indessen etwas wie ein Dankgebet aus seiner Seele zum Himmel aufstieg. Und in der gleichen Nacht noch schrieb er einen langen Brief an die Gräfin-Mutter, um sie in ihrem Groll zu versöhnen und den Ausfall der Jagden und Wahlgesellschaften verschmerzen zu lassen.

Als Isabella am nächsten Morgen den gesiegelten Umschlag auf dem Tisch liegen sah, nahm sie ihn stillschweigend zwischen ihre Fingerspitzen und schaute fragend in das erstaunte Gesicht ihres Gatten. Sie las die Antwort in seinem Blick.

»Nein, Geliebter, sagte sie, ich möchte noch nicht, daß man in unserem Kirchensprengel für mich betet: vor allem aber möchte ich deiner Mutter noch nicht die Gelegenheit zu neuer Gottwohlgefälligkeit geben. Ich möchte ihr überhaupt erst mit dem fait accompli vor Augen treten: das heißt in diesem Falle erst dann, wenn ich mein Kind im Arm halten kann. Mein veränderter Zustand wird natürlich eine Menge von Änderungen mit sich bringen, über die wir am besten sogleich reden. Ich denke, wir halten es so: Vor allem werde ich vor meiner Niederkunft nicht mehr nach Frankreich zurückkehren. Ich will erst als Mutter Château d'Ys wiedersehen .. und Paris würden wir ja ohnehin für diesen Winter aufgeben müssen. Ich glaube, wir bleiben am besten über Weihnachten hier, gehen dann vielleicht ein wenig nach Rom oder an die Riviera und beziehen im April hier unser neues Haus solange, bis alles vorüber ist. Rufen dich einmal für kurze Zeit die Geschäfte zurück: so bedeutet das ja weiter nichts ..«

Roger wagte nicht zu erwidern. Gewiß hatte er sich das alles ganz anders gedacht, aber die Entschiedenheit in Isabellas Sprache und die große Klarheit ihrer Pläne ließ auch diesmal keinen Widerspruch aufkommen. Wozu auch? Es galt jetzt, die junge Frau zu schonen, und er hatte ja schon des öfteren sagen hören, daß Frauen in solchen Zuständen manchmal die seltsamsten Launen haben.

Isabella aber wurde nur viel stiller, als sie sonst zu sein pflegte, und die innere Lösung aller Verkettungen schien für sie einzig in der Frage zu gipfeln, ob das Kind ein Sohn oder eine Tochter sein würde.

Und siehe: auch dieses Mal betrog sie ihre geheimste Hoffnung nicht: sie genas im Juni in ihrer Villa zu Florenz einer wundervollen, kleinen, schwarzen Tochter, von der man zwar durchaus nicht sagen konnte, daß sie in irgend etwas der Blondheit derer von Ys und Dieuleveuille nahekam: es ließ sich nur feststellen, daß sie ein äußerst vornehmes und wahrhaft gräfliches Kind sei.

Isabella aber dankte dem Herrn für die Erhörung ihrer stummen Gebete: denn von nichts war sie nun mehr überzeugt, als daß jene große Erleuchtung des letzten Herbstes wirklich göttlicher Natur gewesen sei, und daß sie, um Gott und den Menschen wohlgefällig zu sein, nur da fortzufahren brauche, wo sie so glanzvoll begonnen hatte.