*

In keiner aller früh durchwanderten Städte ging ich so oft am Abend in die armen Viertel hinunter wie in Rom. In keiner saß ich stiller, träumender bei Taglöhnern und Dirnen. In den finsteren, nur halb ausgebauten Straßen am Testaccio, durch die Marmorata, am Tiber entlang bis zur Bocca della Verità und weiter über die Piazza Montanara im alten Ghettoviertel ging ich in mancher warmen Nacht. Die Freunde schüttelten die Köpfe und warnten. Ich fühlte, daß mir nichts geschehen konnte. Der späte Wanderer, der mich ansprach, mußte fühlen, daß ich ein Gleicher unter Gleichen ging. Wenn ich mich vor einer kleinen, trüben Schenke hinsetzte, fragte mich keiner, woher ich komme und was ich hier zu suchen habe. Nie bot sich eine Dirne an, nie bettelte eine um Geld. Einmal, als ich am Flußbett niederstieg, sprang einer auf, der im Gesträuch gelegen hatte. Noch ehe er den Mund öffnen konnte, fragte ich nach dem Pfad, der zum Boothaus hinabführt. Seine Züge wurden freundlicher:

»Sie wollen rudern?«

»Ich will zu Giuseppe Pangi.«

»Er ist vor einer halben Stunde in die Kneipe zur Carolina gegangen. Wenn es Ihnen recht ist, kann ich Sie hinausfahren.«

»Nein. Ich kenne Sie nicht.«

»Sie brauchen sich nicht zu fürchten. Ich bin genau dasselbe, was Pangi ist.«

»Sind Sie Soldat gewesen?«

»Jawohl! Drei Jahre lang in Caserta.«

»Wollen Sie mich bis zum Ponte Palatino fahren?«