Er reichte mir die harte Hand und führte mich durch Cichoriensträucher den steilen Abhang hinunter. Die Ketten des Bootes klirrten auf den hohlen Brettern, die Ruder schlugen in den Schlamm des Ufers. Auf träger Welle gewannen wir die Mitte des Stromes. Meine Augen suchten den steilen Anstieg des Aventin. Die Wipfel ragten schwermütig in die schwüle Luft, die graue Watte des Himmels hing unbewegt über den schwarzen Bäumen. Auf der anderen Seite des Flusses, hinter dem Landungsplatz des Großen Hafens, hob sich die monotone Front des Armenhauses. Hinter einigen Fenstern brannte schwaches Licht.

»Kranke, sagte der Schiffer, sie fühlen den Scirocco und können nicht schlafen. Vielleicht sind sie morgen tot.«

Ich hieß ihn bald zurückfahren. Wir gingen nebeneinander der Stadt zu. An der Bocca della Verità bog ich ab, um nach dem Judenkirchhof zu gehen. Der Fremde begleitete mich. Fast schon im Feld, hart an einem halbverseuchten Bach, aus dem ein fauler Atem aufsteigt, liegt dieser Friedhof mit seinen vielen Zypressen. Mein Gesicht rührte an die eisernen Stangen des Tores; bleich und wesenlos dämmerten die weißen, schmucklosen Mäler durch die Nacht. Dürstend stand das Schwarz der Bäume im Dunst der bleiernen Luft.

Wir wandten uns nach der Bocca zurück. Zerbröckelnd in der Asche ihres Gesteins lag Santa Maria in Cosmedin, die süße Kirche, in deren Namen schon der Orient funkelt: Byzanz, die Stadt aus Gold und Lapislazuli. Wie müd ist dieser Brunnen in der Mitte des offenen Platzes, wie müd der runde Sonnentempel mit seinen korinthischen Säulen, wie müd sind die fleckigen Wände dieser armen Häuser. Lastfuhrwerk zieht hier am Tag entlang, Frachtkähne treiben im Strom, Geschrei kommt vom Großen Hafen herüber, Staub weht – des Nachts geht achtlos kaum ein Wandrer hier vorüber. Hier war der Rindermarkt der Alten und etwas weiter, wo noch der Bogen der Geldwechsler steht, der Kaufplatz für die feinen Speisen der Tafel. Wie müd vom wesenlosen Hin und Her so vieler Tritte sind diese Straßen, wie abgebraucht und elend. Erbarmungslose Nacht über kranken Mauern! Kein Silberstreifen Mond, kein Tau von Sternen schenkte leise Linderung. In jedem Augenblick konnten die ersten Tropfen fallen.

Wir traten in eine Schenke, nahe der Piazza Montanara. Meine Stirne war feucht. Die Zunge war kaum vom Gaumen zu lösen. Das Kreuz begann zu schmerzen .. Scirocco ..

Fremde Gesichter starrten mich an. Ein Mädchen schlief an der Schulter eines großen Bauernburschen, eine andere malte gedankenlos Figuren in das Verschüttete ihres Weinglases. Viele Schiffer standen am Schanktisch, hinter dem eine alte, ernste Frau teilnahmlos und fast feindlich saß. Giuseppe Pangi kam mir entgegen. Er gab mir die Hand:

»Sie waren auf dem Wasser?«

Ich deutete auf meinen Begleiter, der schweigend neben mir saß.

»Warum hast du mich nicht gerufen?« fuhr Giuseppe den andren an.

»Ich wurde nicht darum gebeten!«