Im Brande der Campagna fuhren wir Rom entgegen. Hinter dem Wagen wogte die rote Wolke des Staubes, die Lüfte glühten wie Pechnelkenbeete. Wir flogen dahin, vorbei an flammenden Herden, an flammenden Brunnen, an blutigen Tümpeln und blutigen Mauern, an entzündeten Gehöften und Brückenbögen, an ausgeglühten Wasserleitungen und halbverkohlten Pinien .. mitten hinein in die lichtgrünen Golfe über den Dächern der Stadt, in den beruhigenden Hafen hinter den langezognen Sandbänken aus Rosa und Heliotrop.
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Axel war gekommen, um mit mir auszufahren.
Ich war gerade aus dem Sabinergebirge zurückgekehrt, wo ich ausländische Freunde auf ihrem Landgute besucht hatte.
Ihr Haus lag auf einem kleinen Hügel unter hohen Ulmenbäumen, in Feld und Garten standen Kastanien, Steineichen und Birken. Ich hatte weiße Wolkenberge über blaugrünen Bergrücken aufsteigen sehen, ich hatte schäumende Waldbäche rauschen hören. In allen Gärten längs des Weges hatten Löwenmäuler und Lilien geblüht, Federnelken und Moosrosen. Geruch von Wiesentriften und kühlem Moosboden war mir an jeder Wende der Straße entgegengeschlagen, und nur die hellbraunen Bergkuppen, wo über Ginsterfeuern die nackten kleinen Städte wuchsen, hatten immer wieder daran erinnert, daß dies römisches Land war.
Ich war bis nach dem steilen Subiaco hinaufgefahren, um die berühmten Klöster zu sehen und hatte lange in dem wildblühenden Säulenhof von Santa Scolastica gesessen, während mir ein Mönch die Geschichte der Heiligen erzählte. Noch länger aber hatte ich auf dem heißen Grasweg geruht, bei Glockenblumen und Löwenzahn, und das unersättliche Auge am Wechsel der Wolkenschatten auf den Hügeln vollgesogen. Im Wehen des Windes war das Rauschen der Aniowellen zu mir herufgeklungen, und einmal hatten raschverwehte Glockenklänge den Weg durch die glänzenden Lüfte bis zu meinem Ohr gefunden. Um mich her weideten braune Füllen, junge Esel waren an einem Olivenbaum festgebunden und fraßen an dem kurzen, harten Gras. Kinder standen im Kreise um mich her, seltsam still und ernst. Als ich bergab stieg, folgten sie mir scheu bis zu dem Wagen, der an der schattigen Landstraße wartete.
Am Abend aber nahm mich das Haus der Freunde auf, gefüllt vom Zauber des ländlichen Sonntags und tief in Ströme reinen Abendgoldes eingetaucht. Alle Gespräche waren heiter und leicht beim gemeinsamen Mahl. Der Wein des Landes duftete aus flachen Gläsern, Risotto, Maccaroni und Fleisch von Hühnern dampften auf den Schüsseln, Kirschen und Nespeln lagen im geflochtenen Bastkorb. Dann kam der starke schwarze Kaffee, der blaue Rauch der schweren Zigarren und die Vertiefung des Gespräches. Und alles löste sich am Ende auf in der silbernen Sonate von Scarlatti, die aus den dünnen, eingeschlafenen Saiten aufstieg. Es war spät geworden. Die Sterne standen im offnen Fenster, die Birkenwipfel fingen an, sich im Nachtwind zu regen, Leuchtkäfer flogen – Tausende von grünen Funken – im Dunkel duftender Rosmarinsträucher, und mitten in das Rieseln und Lachen der Alegrettoläufe fiel lautes Schluchzen träumender Nachtigallen. – –
Dies alles hatte ich erzählt, während Axel einige welke Blätter aus einem Kamelienstrauß entfernte und eine Blüte in das Knopfloch steckte. Er setzte sich auf das Fensterbrett und fragte:
»Wollen Sie wirklich morgen reisen?«
»Bestimmt. Ich fahre am Nachmittag nach Neapel und nehme abends den Dampfer nach Palermo.«