»Ich verstehe Sie und verstehe Sie doch nicht. Es liegt soviel Grausamkeit in der Art Ihrer Beschlüsse ..«
Es wurde an die Türe geklopft. Man meldete, daß der Wagen bereit stehe.
Wir fuhren nach den Thermen, um noch einmal zusammen den Epheben von Subiaco zu sehen. Ich kenne keinen Torso, der mich tiefer ergreift. Kopf und Hände fehlen – der Leib allein offenbart die grenzenlose Leidenschaft, das inbrünstige Hinverlangen nach dem ersehnten Ziel. Der Marmor blüht in dunkelgoldner Fülle, die Poren atmen warm und gesund, die Lust des Tieres und die stille Beseelung des ganz von einer inneren Sehnsucht ergriffenen Menschen ist in dem Rhythmus der stürmischen Bewegung vermengt, die um so tiefer hinreißt, je weniger sie bedingt gedeutet werden kann.
Axels Hände lagen auf den Hüften der Statue.
»Ich kann nicht anders, sagte er leise. Ich muß berühren, was ich liebe. Mit meinen Fingerspitzen muß ich fühlen, was ich besitzen will. Ich bin wie Kinder und Blinde, die erst im Tasten ganz erkennen.«
Niemals mehr werde ich diese schmale, starke Hand mit den flammenden Smaragdringen auf dem stummdurchglühten Stein vergessen.
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Der Schattenweg, der zu Santa Sabina hinaufführt, nahm uns in seine hohen Mauern auf. Wir gingen langsam in den breiten Windungen empor. Kaum war etwas Grünes zu sehen: eine kurze Rasenböschung zur Rechten, verdorrt und staubig, sonst nichts als brauner Stein und blaue Luft .. später eine Baumpflanzung, ein freier Platz, unsäglich einsam, mit kurzem Gras bewachsen, und zwischen vier korinthischen Säulen der Eingang zu der alten christlichen Basilika. Hier weht im Schwung der schönen Halbkreise, die dem Raum jugendliche Belebung und das Maß der klaren Mitte schenken, die einfach-freie Seele des antiken Tempels. Das ganze Gotteshaus ist Frühling. Über seinen Dächern müßten blühende Kirschbaumäste schwanken, durch die offenen Fenster müßte ihr süßer Rauch statt Weihrauches wehen, wenn die Kerzen der Frühmesse am Altare flammen. Bienen müßten im Mittag zwischen den weißen Kelchen schwirren, und Schwalben, die leichten Schwalben des Aventin, sich über dem Abendgesang der Kinder wiegen.
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Wenige Schritte von Santa Sabina liegt die Villa der Maltheserritter.