»Fast keiner mehr. Es ist zu heiß.«

»Seid ihr Napolitaner?«

»Die beiden dort. Der hier ist aus Trapani, ich selbst aus Messina.«

»Waren Sie während des Erdbebens in der Stadt?«

»Nein, Herr. Ich war auf einem Handelsschiff in Malta. Als ich zurückkam, waren meine Eltern tot. Mein Bruder starb am gleichen Tag im Krankenhause. Seitdem bin ich nicht mehr in der Stadt gewesen. Ich fahre zwischen Neapel und Tunis. Aber nur noch in diesem Jahre. Dann gehe ich fort. Weit fort. Nach Südamerika. Ich habe hier nichts mehr zu suchen. Ich gehe auf die Farm meines Bruders. Ich verdiene dort viermal so viel Geld als hier und habe ein gutes Leben.«

»Werden Sie den Wechsel ohne weiteres ertragen? Man sagt, wer sich an das Meer gewöhnt hat, kann nur schlecht am Lande leben.«

»Ich glaube, Herr, man kann alles ertragen ..«

Der aus Trapani fing an, auf einer Harmonika zu spielen .. ein fremdartiges Lied, das an das jüdische Kol Nidrei erinnerte. Die anderen summten leise mit. Ich stieg die Treppe empor und sah in die Weite. Unmittelbar vor uns lag Capri, schwarz und verschlossen. Nur wenige Laternen im Hafen warfen gelbes Licht. Hart an der höchsten Gipfelkante stand eine Wolke, auf deren Rand von unten Mondlicht fiel.

»Sie kennen Capri?« fragte der aus Messina, der mir gefolgt war.

»Ich kenne es gut.«