Schon schwand der Hafen hinter der Punta Vitara. Genau vor uns auf der Höhe mußte Anacapri liegen.
»Wie oft bin ich dort oben spät am Abend gegangen, um das Schiff nach Palermo vorüberfahren zu sehen! Wie oft habe ich mir gewünscht, mitzufahren.«
»Sie gehen zum erstenmal nach Sizilien?«
»Zum allererstenmal.«
Nun fuhren wir um das Nordwestkap der Insel. Die letzten Lichter loschen. Im schwachen Schein des immer noch unsichtbaren Mondes dämmerten die grauen Ölbaumhänge auf. Dann kam noch einmal dünnes Licht aus kleinen Bauernhäusern und losch im selben Augenblick. Im Wasser zog plötzlich ein heller, silberner Streifen, zuckte auf, verschwand, kam wieder, nun schon ein rieselnder Bach, ging nochmals unter und tauchte wieder auf als eine weiche, bläulichweiße Flut. Zu unsrer Linken stand die zunehmende Sichel des Mondes, gegen das Meer hinabgeneigt.
So fuhren wir auf kühlem Silber in die Tiefe der Nacht.
Lange noch lag ich wach in meinem Bett. Das Schiff ging still, in leichtem, einschläferndem Schüttern. Der Gesang der Matrosen klang leise nach .. ein dunkles, summendes Wiegen .. durch den Vorhang des offnen Fensters.
*
Irgend ein Geräusch hatte mich geweckt. Ich mußte mich einen Augenblick lang besinnen, wo ich war. Da rief die Stimme wieder vor dem Vorhang:
»Signore! Signore! l'Isola! l'Isola!«