Er wollte gerade antworten, als eine Uhr im Innern des Hauses neun schlug.
»Mein Gott, rief Angelina, wir müssen aufbrechen! Ich habe die Schiffer um neun an die Piazza della Kalsa bestellt. Percy kann uns im Wagen weitererzählen.«
Sie ging rasch voran ins Haus. Ich folgte ihr. Als ich mich zufällig im Rahmen der Glastür umwandte, sah ich im Zwielicht die dunklen Gestalten Margeritas und Percys noch einmal die Rundung des Brunnenweges abschreiten. – –
Vor der flachen Marmortreppe stand der Wagen mit zwei kleinen, goldgeschirrten Rappen bespannt. Ein Diener hatte die weißen Mäntel der Frauen über dem Arme und wartete.
Vier Schiffer hatten sich an der Piazza della Kalsa eingefunden und geleiteten uns zu dem Landungssteg, an dem die große Barke lag.
»Wie ist das Meer?« fragte Angelina.
»Marchesa, es ist ganz ruhig, wie meistens um diese Jahreszeit,« antwortete ein alter Mann, indem er sich verneigte und wie einen Befehl erwartend zur Seite trat.
»Können wir bis gegen Solunt rudern und nicht allzuspät zurück sein?«
»Ohne jeden Zweifel ..«
Der Diener brachte Obst und Wein, ein junger Schiffer breitete Kissen und Decken aus und drehte die Windlichter so, daß sie nicht blendeten. Ein anderer reichte den Damen Nelkensträuße, ein vierter gab Percy und mir weiße Kamelien für das Knopfloch. Die Ruder tauchten in die glatte, glänzende Tiefe, die Barke drehte, und wir nahmen die östliche Richtung des Kap Zaffarano. Die Luft war weich wie Rosenblätter, lautlos glitt das Boot. Die braunen Männer summten im Takt der Ruder ein Lied, indes die Küste unmerklich vor unsern Augen floh und die Kette der Hafenlaternen sich dichter schloß. Wir lagen schweigend auf den Polstern, hingegeben an die Glückseligkeit dieses traumhaften Schwebens, uns selbst entrückt und willenlos dahingetragen, so leicht, so körperlos wie der Mond, der in dünnen roten Wolkenflören aufging. Margerita hatte ihre Schulter an Angelinas Brust gelegt. Sterne fielen.