Die Rose feierte einmal ihren Geburtstag. Sie stand mitten im Garten, und alle Blumen kamen zu ihr, um ihr Glück zu wünschen. Zuerst kamen die stolze Lilie und die prächtige Tulpe, hernach kamen die kleinen Blumen. Alle neigten sich vor der Rose und sagten: "Wir wünschen dir Glück, liebe Rose."

Aber ein kleines, weißes Blümchen getraute sich nicht, nahe an die Rose heranzutreten, weil es so schüchtern und bescheiden war. Es blieb von ferne stehen und flüsterte nur: "Ich wünsche dir auch Glück, liebe Rose!" Die Rose hatte das Blümchen aber gesehen und winkte ihm, näher heranzutreten. "Komm doch näher, liebe kleine Schwester," sagte die Rose gütig. Als nun das Blümchen näher herangetreten war, fragte die Rose: "Wie heißt du denn, liebe Kleine?" Da sprach es ganz leise: "Ich heiße Gänseblümchen."

"Aber, liebes Gänseblümchen," sagte die Rose freundlich, "du bist ja tausendmal schöner als alle andern Blumen. Du sollst jetzt nicht mehr Gänseblümchen, sondern Tausendschön heißen, weil du tausendmal schöner bist als alle." Darüber freute sich das gute Gänseblümchen so sehr, daß es über und über rot ward, und seit der Zeit haben alle Gänseblümchen—rote Ohrläppchen.

91. DIE GRÜNE STADT.

Ich weiß euch eine schöne Stadt,
Die lauter grüne Häuser hat.
Die Häuser, die sind groß und klein,
Und wer nur will, der darf hinein.
Die Straßen, die sind freilich krumm,
Sie führen hier und dort herum;
Doch stets gerade fort zu gehn,
Wer findet das wohl allzuschön!
Die Wege, die sind weit und breit
Mit bunten Blumen überstreut.
Das Pflaster, das ist sanft und weich,
Und seine Farb' den Häusern gleich.
Es wohnen viele Leute dort,
Und alle lieben ihren Ort.
Ganz deutlich sieht man dies daraus,
Daß jeder singt in seinem Haus.
Die Leute, die sind alle klein,
Denn es sind lauter Vögelein;
Und meine ganze grüne Stadt
Ist, was den Namen "Wald" sonst hat.

92. DEUTSCHLAND.