Weit weg von hier liegt Deutschland. Das ist ein schönes Stück Erde. Zu Deutschland gehören Preußen, Sachsen, Bayern, Baden und andere kleinere oder größere Staaten. Dort gibt es breite und tiefe Flüsse. Der Rhein, die Elbe und die Donau sind am bekanntesten. Daneben finden sich weite Ebenen, hohe Berge und dichte Wälder. Auch fehlt es nicht an Städten, in denen viele fleißige Leute leben. Berlin, München, Köln, Dresden, Frankfurt und manche andere sind bemerkenswert. Überall hat man prächtige Wohnhäuser, reiche Kirchen und herrliche öffentliche Gebäude. Alles wird sehr sauber und ordentlich gehalten. Von Hamburg und Bremen aus fahren mächtige Dampfschiffe und Segler nach allen Gegenden der Welt. Deutschland besitzt auch zahlreiche große Fabriken. Die Felder werden auf das Beste bestellt. Die deutsche Fahne ist schwarz, weiß und rot gestreift. An der Spitze des Reiches steht der deutsche Kaiser.
93. SONNENSCHEIN.
Sonnenschein,
Klar und rein,
Leuchtest in die Welt hinein;
Machst so hell, so warm und schön
In den Tälern, auf den Höh'n,
Die du alle überstrahlst
Und so hold und lieblich malst.
Sonnenschein,
Klar und rein,
Kehre auch ins Herz mir ein!
Wenn ich habe heitern Sinn,
Gut und froh und freundlich bin,
Dann ist's in dem Herzen mein
Wunderbarer Sonnenschein.
94. DIE KÖNIGIN LUISE.
Vor hundert Jahren lebte in Preußen eine Königin, namens Luise. Sie war jung und schön, aber auch ebenso gut. Ein jeder liebte sie. Schon als kleines Kind hatte sie ihre Mutter verloren und wurde von ihrer Großmutter einfach erzogen. So war sie zu einer echten, deutschen Jungfrau herangewachsen, als der Kronprinz und spätere König von Preußen, Friedrich Wilhelm, sie kennen lernte. Bald darauf wurde sie seine Frau. Eine große Freude hatte sie an ihren Kindern, zwei Knaben, mit denen sie gerne lernte und spielte. Aber da gab es einen schrecklichen Krieg mit dem Kaiser von Frankreich, Napoleon. Die Feinde waren stärker als die Preußen und besiegten sie. Das tat dem Könige und der guten Königin sehr weh. Es kam so weit, daß sie ihr Schloß in Berlin verlassen mußten. Als die königliche Familie endlich wieder zurückkehren konnte, herrschte großer Jubel. Die Freude sollte aber nicht lange dauern, denn bald darauf wurde die edle Königin schwer krank und erholte sich nicht mehr. Als sie starb, war die Trauer allgemein. Noch heute ist die Königin Luise unvergessen.
95. DAS GOLDENE SCHLOSS.
"Willst du eine Prinzessin sein?" So fragte ein Knabe seine kleine Schwester. Die lachte ihn aus. Er sagte aber: "Ja, ich kann ein König und du kannst eine Prinzessin werden. Du bekommst ein schönes, neues Kleid und einen silbernen Thron. Ich bekomme einen roten Mantel, eine goldene Krone und einen goldenen Thron." Die Schwester glaubte das nicht und sagte: "Unsere Eltern sind ja so arm." Der Knabe erzählte dann: "Letzte Nacht im Traume kam ein kleiner Mann zu mir. Er fragte mich: 'Willst du ein König sein und in einem goldenen Schlosse wohnen?' Ich sagte, ja. Da sprach der Kleine: 'Komm in den Wald mit deiner Schwester, wenn der Mond scheint. Bei der großen Tanne warte auf mich. Aber später im goldenen Schlosse darf keine Träne auf den Boden fallen. Wenn eine Träne auf den Boden fällt, müßt ihr wieder heim.'" Jetzt glaubte die Schwester, was der Bruder sagte. Sie wollte gerne mit ihm gehen.
Am Abend schien der Mond sehr hell. Da gingen Bruder und Schwester hin zu der großen Tanne im Walde. Das Männlein war noch nicht da. Die Kinder setzten sich ins Moos, um zu warten. Sie waren müde und schliefen bald ein. Auf einmal wachten sie auf. Verwundert schauten sie um sich. Sie hatten schöne neue Kleider an. Der Bruder hatte einen roten Mantel und trug eine goldene Krone. Die Schwester hatte ein himmelblaues Kleid mit silbernen Sternen. Auf ihren Haaren war ein Kranz von Diamanten. Der kleine Mann kam und rief: "Willkommen, willkommen!" Dann kamen noch viele kleine Männlein mit einem goldenen und einem silbernen Wagen. Der Bruder mußte sich in den goldenen Wagen und die Schwester in den silbernen Wagen setzen. Die Männlein zogen die Wagen und fuhren durch den Wald an einen Berg. Im Berge war eine große, hohe Halle, und darin stand ein goldenes Schloß. Die kleinen Männer führten die Geschwister in dieses Schloß. Dann holten sie einen goldenen und einen silbernen Thron. Der goldene Thron war für den Bruder und der silberne für die Schwester. Die kleinen Männer stellten sich vor sie hin und riefen: "Hoch lebe unser König und auch die Prinzessin!" Dann gab es zu essen, lauter gute Sachen.