»Sie schlafen gewiß schon,« antwortete Bärbchen mit süßer, etwas verschlafener Stimme, »aber sie werden aufstehen und unzweifelhaft die Herren zu begrüßen kommen.«
»Glaubt Ihr das?« fragte der kleine Ritter erfreut.
Und wieder blickte er Bärbchen an, und wieder dachte er unwillkürlich bei sich: »Sie ist verteufelt anmutig in diesem Mondesglanz.«
Sie waren schon ganz in der Nähe von Ketlings Hause und fuhren nach einer kurzen Weile ein.
Die Frau Truchseß und Christine schliefen schon, nur die Dienerschaft wachte, denn man wartete auf Bärbchen und Herrn Sagloba mit dem Abendbrot. Bald entstand im Hause eine lebhafte Bewegung. Sagloba befahl, mehr Leute zu wecken, damit den Gästen warme Speisen gereicht würden.
Der Herr Truchseß wollte sogleich seine Gattin begrüßen; aber sie hatte bereits das ungewöhnliche Geräusch gehört und erraten, wer angekommen sei. Eine Minute später kam sie schon die Treppe herab in einem eilig übergeworfenen Kleide, atemlos, mit Freudentränen in den Augen und einem herzlichen Lachen auf den Lippen; es begannen die Begrüßungen, Umarmungen und ein wirres, von Ausrufen der Freude unterbrochenes Geräusch.
Wolodyjowski blickte beständig nach der Tür, in welcher Bärbchen verschwunden war, und in welcher er jeden Augenblick die geliebte Christine zu sehen hoffte, wie sie strahlend vor stiller Freude, mit glänzenden Augen und aufgelöstem Haar eintrat; aber die Danziger Uhr, die im Speisezimmer stand, tickte und tickte, die Zeit verrann, das Abendbrot wurde gereicht, und das geliebte, teure Mädchen ließ sich nicht blicken.
Endlich trat Bärbchen ein, aber allein, ernst, ja düster, sie näherte sich dem Tisch, hielt die Hand vor das Antlitz und sprach, zu Herrn Makowiezki gewendet:
»Onkelchen, Christine ist ein wenig unwohl und wird nicht kommen, aber sie bittet, Onkelchen möchte wenigstens bis an die Tür kommen, damit sie ihn begrüßen könne.«