Sagloba, der Truchseß und seine Frau wechselten beständig Blicke miteinander, als wollten sie sich gegenseitig dazu anregen, die gewöhnliche Unterhaltung aufzunehmen; und doch wagte keiner zuerst das Wort zu ergreifen. Endlich begann Sagloba:
»Wir müssen heute,« sagte er, zu den Neuangekommenen gewendet, »in die Stadt fahren. Es schwirrt und summt dort schon vor der Wahl wie in einem Bienenkorb; jeder preist seinen Kandidaten. Unterwegs will ich euch sagen, wem wir nach meiner Ansicht die Stimme geben müssen.«
Da keiner ein Wort sprach, ließ Sagloba sein vereinsamtes Auge umherschweifen und wandte sich endlich an Bärbchen:
»Und du, Käferchen, kommst mit uns?«
»Gewiß, und ginge es nach Reußen!« antwortete Bärbchen schroff.
Und wieder trat Schweigen ein. So, unter immer wieder erneuten Versuchen, das Gespräch fortzuspinnen, das durchaus nicht in Gang kommen wollte, ging das Frühstück hin.
Endlich erhoben sie sich vom Tisch. Michael trat gleich zu Christine heran und sagte:
»Ich muß Euch allein sprechen, Fräulein.«
Dann bot er ihr seinen Arm und führte sie in das benachbarte Zimmer, in dasselbe Zimmer, welches Zeuge ihres ersten Kusses gewesen war.
Er ließ Christine auf das Sofa nieder, setzte sich an ihre Seite und strich kosend mit der Hand über ihr Haar, wie man ein Kind zu streicheln pflegt.