Er verneigte sich und ging. Im Nebenzimmer traf er Sagloba, den Truchseß und seine Gattin. Sie sprangen auf, als ob sie ihn ausfragen wollten, aber er wehrte ihnen mit der Hand.

»Umsonst —« sagte er, »alles! Lasset mich in Frieden!«

Aus diesem Zimmer führte ein schmaler Gang in das seinige; auf diesem Gang an der Treppe zu der Wohnung der Mädchen trat Bärbchen dem kleinen Ritter in den Weg.

»Möge Euch Gott trösten und Christinens Herz wenden!« rief sie mit tränenerstickter Stimme.

Er ging an ihr vorüber, ohne sie anzusehen, ohne auch nur ein Wort zu sprechen. Plötzlich ergriff ihn wahnsinniger Zorn; er wandte sich um und blieb vor dem unschuldigen Bärbchen mit entstellten, von Hohn und Bitterkeit erfüllten Zügen stehen.

»Versprecht nur Ketling Eure Hand,« sagte er rauh, »und wenn er Euch liebt, dann tretet ihn mit Füßen, zerreißt ihm das Herz — und dann geht ins Kloster!«

»Herr Michael!« rief Bärbchen erstaunt.

»Ja, laßt's Euch nur gefallen, laßt Euch küssen, und dann geht hin und büßet ... o daß man Euch getötet hätte!«

Das war Bärbchen doch zu viel. Gott allein wußte, wieviel Selbstverleugnung in dem Wunsche war, den sie Michael zugerufen hatte, daß Gott Christinens Herz wenden möge — und dafür traf sie ein ungerechter Verdacht, Hohn, Beleidigung, in demselben Augenblick, in dem sie bereit gewesen wäre, ihr Leben hinzugeben, um den Undankbaren zu trösten. Da loderte ihr Herz in Flammen auf, ihre Wangen glühten, die rosigen Nasenflügel bewegten sich lebhaft, und ohne einen Augenblick des Besinnens rief sie, ihr blondes Köpfchen schüttelnd:

»So wisset denn, ich gehe nicht Ketlings wegen ins Kloster!«