Und sie wand sich auf ihrem Sitz und wiederholte unter Tränen:
»Schneidet mir die Zunge ab, meine Schuld ist es, meine Schuld; o Jesus, ich verliere noch den Verstand!«
Und Sagloba: »Still schon, Mädchen, es ist nicht deine Schuld, und wisse, wenn jemand getötet ist, so ist es nicht Michael.«
»Mir tut auch der andere leid! Wir haben ihm schön gelohnt für seine Gastfreundschaft, man kann nicht anders sagen ... Gott, o Gott!«
»Das ist wahr,« warf der Truchseß ein.
»Haltet doch zum Teufel Ruhe! Ketling ist gewiß schon näher an Preußen als an Warschau; Ihr habt doch gehört, daß er abgereist ist. — Ich hoffe auch zu Gott, daß, wenn sie sich begegnen, sie der alten Freundschaft, der gemeinsamen Dienste eingedenk sein werden. Sind sie doch Steigbügel an Steigbügel geritten, haben auf einer Satteldecke geschlafen, sind zusammen auf Kundschaft ausgezogen, haben mit demselben Blute ihre Hand genetzt — im ganzen Heer war ihre Freundschaft so bekannt, daß man Ketling, weil er so schön war, Michaels Gattin nannte. Unmöglich, daß ihnen das nicht in den Sinn kommen sollte, wenn sie sich sehen.«
»Oft genug kommt es,« sagte der kleine Truchseß, »daß gerade die größte Freundschaft in finstersten Haß sich umwandelt. So hat in unserer Gegend Herr Deyma Herrn Ubysch getötet, mit dem er zwanzig Jahre hindurch in größter Eintracht gelebt hat. Ich kann Euch diesen unglücklichen Fall mit allen Einzelheiten erzählen.«
»Wenn ich nicht so erregt wäre, würde ich gern zuhören, gerade so, wie ich meiner lieben Wohltäterin, Eurer Gemahlin, gern zuhöre, welche die Gewohnheit hat, alles aktenmäßig zu erzählen und selbst die Genealogie nicht zu vernachlässigen; aber mich beunruhigt, was Ihr über die Freundschaft und den Haß gesagt habt ... o behüte Gott, behüte Gott, daß es auch diesmal so werde!«
» — Der eine hieß Deyma und der andere Ubysch, beide würdige Männer, Kommilitonen ...«