»Nichts,« sagte der Kriegsheld, und doch knirschte er mit den Zähnen und verbiß seinen Schmerz, und aus der anderen Ecke des Zimmers tönte Bärbchens Geheul.

»Ketling, sei glücklich, Bruder!« rief Michael.

Ketling näherte sich, kniete nieder, öffnete schweigend die Arme und umfaßte in höchster Ehrerbietung und Liebe Christinens Kniee.

Und Michael begann in abgerissenen Worten:

»Umfasse sein Haupt, — der Gute hat viel gelitten ... Segne Euch Gott ... Du wirst nicht ins Kloster gehen; besser, daß ihr mich segnet, als daß ihr mir fluchen solltet ... Gott wird über mir sein, wenn mir auch jetzt sehr bitter ist!«

Bärbchen konnte es nicht länger aushalten und stürzte aus dem Zimmer. Michael, der das bemerkt hatte, wandte sich an den Herrn Truchseß und an seine Schwester:

»Geht ins andere Zimmer,« sagte er, »und lasset sie allein; ich will auch wo anders hingehen, ich will niederknien und meine Seele Gott befehlen.« Und er ging.

In der Mitte des Korridors begegnete er an der Treppe Bärbchen, an derselben Stelle, an der sie, vom Zorn hingerissen, Christinens und Ketlings Geheimnis verraten hatte. Aber jetzt stand sie da, an die Mauer gelehnt und vom Weinen geschüttelt.

Bei diesem Anblick erfaßte Michael Mitleid mit seinem eigenen Schicksal. Bisher hatte er sich mit allen Kräften zurückgehalten, aber jetzt lösten sich die Schleusen seines Schmerzes, und die Tränen stürzten ihm in Strömen aus den Augen.

»Warum weint Ihr?« rief er klagend.