Bärbchen erhob ihr Köpfchen, drückte wie ein Kind bald das eine Fäustchen, bald das andere in die Augen, schluchzte auf, schöpfte mit dem offenen Munde Atem und antwortete unter Tränen:

»Mir ist so weh, o Gott, Ihr seid so brav, Herr Michael, so redlich, o Gott!«

Da ergriff er ihre Hand und küßte sie in Dankbarkeit und Rührung.

»Gott lohne es Euch, Gott lohne Euer gutes Herz!« sagte er. »Still, weint nicht.«

Aber Bärbchen begann immer mehr zu schluchzen und zu weinen, jede Fiber in ihr zitterte vor Schmerz, immer heftiger rang sie nach Atem mit den offenen Lippen; endlich stampfte sie mit den Füßchen auf den Boden und schrie so laut, daß es über den ganzen Korridor schallte:

»Törichte Christine! Ich würde einen Michael zehn Ketlings vorziehen. Ich liebe Herrn Michael aus ganzer Seele ... mehr als die Tante, mehr als den Onkel, mehr als Christine!«

»Um des Himmels willen, Bärbchen!« rief der kleine Ritter.

Und er nahm sie, um ihren Schmerz zu stillen, in seine Arme, sie aber drängte sich mit voller Kraft an seine Brust, so daß er ihr Herz pochen hörte wie das Herz eines matten Vögleins; er umschloß sie noch fester, und sie hielten sich lange umfangen.

Ein Schweigen trat ein.

»Bärbchen, willst du mich?« fragte der kleine Ritter.