»Fürchtetest dich zu schreien! Sophiechen, hörst du? Wann ist denn eure Liebe an den Tag gekommen?«

»Der Vater kam und versetzte ihm einen Schlag mit dem Beil; dann schlug er mich, und ihn ließ er peitschen, daß er zwei Wochen krank lag.«

Hier brach Evchen in Tränen aus, zum Teil aus Schmerz, zum Teil aus Verlegenheit. Bei ihrem Anblick feuchteten sich auch bald die Augen der gefühlvollen Sophie; Bärbchen aber tröstete Eva.

»Alles wird gut enden, laß' mich nur machen! Michael muß ans Werk, und Herrn Sagloba will ich schon zureden. Fürchte dich nicht, vor Herrn Saglobas Witz hält nichts stand, du kennst ihn noch nicht. Weine nicht, Evchen, es ist Zeit zum Nachtmahl.«

Mellechowitsch war zum Nachtmahl nicht erschienen; er saß in seinem Zimmer und wärmte sich am Feuer bei Branntwein mit Met, den er dann in einen kleineren Blechbecher goß und zu dem er Zwieback aß. Herr Bogusch kam zu ihm noch in später Nacht, um mit ihm über Neuigkeiten zu plaudern.

Der Tatar wies ihm sogleich einen Platz auf der schaffellbeschlagenen Bank an, setzte ihm einen vollen Becher heißen Getränkes vor und fragte:

»Will Herr Nowowiejski noch immer mich zu seinem Knechte machen?«

»Davon ist gar nicht mehr die Rede,« versetzte der Truchseß von Nowogrod; »eher noch hätte Nienaschyniez ein Anrecht an dich, aber auch er denkt nicht daran, denn seine Schwester ist wohl schon längst gestorben oder wünscht gar keine Veränderung ihres Schicksals. Herr Nowowiejski wußte nicht, wer du warst, als er dich für die Vertraulichkeiten mit seiner Tochter strafte, und geht jetzt wie betäubt umher, denn wenn auch dein Vater unserem Lande viel Böses getan hat, so war er doch ein berühmter Kriegsmann, und Geburt ist Geburt. Bei Gott, niemand wird dir ein Haar krümmen, solange du diesem Vaterlande treu dienst, um so mehr, als du überall Freunde hast.«

»Warum sollte ich ihm nicht treu dienen?« versetzte Asya, »mein Vater war euer Feind, er war ein Heide — ich aber bekenne Christum.«