»Der Hetman wird es ihm zehnmal auswirken!« rief Bärbchen.

Evchen hörte diesen Lobeserhebungen mit geschlossenen Augen und pochendem Herzen zu. Wer weiß, ob es ebenso heiß geschlagen hätte für den armen, unbekannten Asya, wie für Asya, den Ritter, den großen Mann der Zukunft? Aber dieser Glanz hatte sie überwältigt, und die Erinnerung an die Küsse, und die Träume der jüngsten Nacht durchrieselten ihren jungfräulichen Körper mit einem Schauer der Wonne.

»So groß ist er, so ausgezeichnet!« dachte Eva. »Ist es da ein Wunder, daß er glüht wie Feuer?«

Bärbchen nahm noch an demselben Tage den Tataren »ins Gebet«; sie folgte aber dem Rate ihres Gatten, der sie vor Asyas Wildheit gewarnt hatte, und beschloß, nicht gar zu plötzlich vorzugehen. Trotzdem platzte sie, da sie kaum vor ihn hingetreten war, mit den Worten heraus:

»Herr Bogusch sagt, daß Ihr ein tüchtiger Mensch seid, aber ich glaube, auch der Hervorragendste kann der Liebe nicht entgehen.«

Asya schloß die Augen und neigte das Haupt.

»Ew. Liebden haben recht,« sagte er.

»Denn seht, mit dem Herzen ist es so: plauz perdauz! — da stolpert's hin.«

Bei diesen Worten schüttelte Bärbchen ihren blonden Kopf und zwinkerte mit den Augen, als ob sie andeuten wollte, daß sie selbst ganz genau Bescheid wisse mit derlei Dingen, und daß sie gleichzeitig die Hoffnung hege, sie spreche mit keinem Unkundigen. Asya aber erhob den Kopf und umfaßte ihre anmutvolle Gestalt mit seinen Blicken. Noch nie war sie ihm so wunderschön erschienen wie jetzt, da ihre Äuglein vor Neugier lebhaft funkelten, und ihr rosiges Kindergesicht sich lächelnd zu ihm erhob. Aber gerade je mehr Unschuld sie umgab, desto größer war der Reiz für Asya, desto mehr Begierde erwuchs in seiner Seele, desto mächtiger ergriff ihn die Liebe, berauschte ihn wie starker Wein und nahm ihm jedes Wollen außer dem einen, sie ihrem Gatten zu entreißen, für sich zu gewinnen, sie für ewig an seine Brust zu drücken, die Lippen auf ihren Mund zu pressen, ihre Hände um seinen Hals geschlungen zu sehen — zu lieben, zu lieben ohne Ende und Maß, gelte es auch seinen Tod, gelte es ihrer beider Tod.

Bei dem Gedanken daran drehte sich alles um ihn her; immer neue Leidenschaften brachen aus der Höhle seiner Seele wie Schlangen aus Felsgeklüft; aber dieser Mann verfügte zugleich über eine ungeheure Kraft über sich selbst; er sagte also in seiner Seele: Noch ist's zu früh — und hielt sein wildes Herz an seinem festen Willen, wie ein scheu gewordenes Pferd an der Schlinge. So stand er vor ihr scheinbar kühl, obwohl es auf seinen Lippen und in seinen Augen glühend brannte, seine tiefliegenden Augen sagten alles, was die aufeinandergepreßten Lippen verschwiegen.