»Recht artige Verse!« rief Sagloba, »ich verstehe mich darauf, ich habe auch so manche gemacht; angle nur, angle, junger Ritter, und wenn du den Ring erwischt, so will ich dir meinen Vers singen:

Jeder Bursch ist Kiesel
Zunder jedes Mädchen,
Schlag nur an den Funken,
Flackert hell das Fädchen!
U-ha!«


»Vivat, vivat, Herr Sagloba!« schrieen die Offiziere und Genossen mit so lauter Stimme, daß der ernste Nawiragh erschrak, und die beiden gelehrten Anardraten erstaunt einander ansahen. Und Nowowiejski flog noch zweimal im Zimmer herum. Endlich setzte er das müde und durch die Kühnheit ihres Kavaliers eingeschüchterte Mädchen auf die Bank. Sie hatte ihn lieb, den tüchtigen, redlichen, feurigen Burschen, aber gerade weil sie solchem noch nicht begegnet war, hatte sie eine große Verwirrung erfaßt, daß sie die Augen noch tiefer senkte und still und ruhig im Winkel saß.

»Warum schweigt Ihr, warum seid Ihr so traurig?« fragte Nowowiejski.

»Weil Väterchen in Gefangenschaft ist,« antwortete Sophie mit ihrem zarten Stimmchen.

»Nicht doch,« sagte der Heldenjüngling, »jetzt ziemt es zu tanzen! Seht Euch nur im Raume um: so viele unserer hier sind, keiner stirbt eines ruhigen Todes; von heidnischen Pfeilen oder gar in der Gefangenschaft enden wir alle, der eine heut, der andere morgen. Jeder von uns hier in diesen Grenzländern hat einen der Seinigen verloren, und doch sind wir lustig und guter Dinge, damit der liebe Herrgott nicht glaube, wir murren gegen den Dienst. Nicht wahr, hier heißt es tanzen? Lächelt doch, Fräulein, laßt mich Eure Äuglein sehen, sonst denke ich, daß Ihr mir böse seid.«

Sophie erhob zwar ihre Augen nicht, aber ihre Mundwinkel verzogen sich, und in ihren rosigen Wangen zeigten sich zwei Grübchen.

»Habt Ihr mich wenigstens ein bißchen gern?« fragte der Jüngling wieder.

Und Sophie antwortete darauf mit noch leiserer Stimme: