»Ja, gewiß.«
Hier sprang Nowowiejski in die Höhe, ergriff Sophiens Hände und bedeckte sie mit Küssen.
»Es ist aus,« rief er, »ich habe mich sterblich in Euch verliebt! Keine andere will ich als Euch, mein herziges Mädchen; Gott, wie ich Euch liebe! Morgen will ich Eurer Mutter zu Füßen fallen ... was, morgen? — heute noch, denn ich muß Gewißheit haben, daß Ihr mir wohlwollt!«
Der mächtige Donner der Schüsse draußen übertönte Sophiens Antwort. Die erfreuten Soldaten gaben Salven ab zu Bärbchens Ehren, die Scheiben zitterten, die Mauer bebte bei ihren Vivatrufen; zum drittenmal erschrak der ernste Nawiragh, erschraken die beiden gelehrten Anardraten; aber Sagloba, der neben ihnen stand, beruhigte sie in lateinischer Rede:
»Apud Polonos,« sagte er zu ihnen, »nunquam sine clamore et strepitu gaudia fiunt.«
Es schien, als hätten alle nur auf dieses Musketenfeuer gewartet, damit die Heiterkeit den höchsten Grad erreiche. Die übliche Sitte der Edelleute wich jetzt der Steppenwildheit. Die Kapelle schmetterte, der Tanz ward wilder, die Augen glühten, selbst die ältesten stürzten sich in den Tanz. Laute Rufe erfüllten das Zimmer, man trank und war ausgelassen; aus Bärbchens Schuh ward ein Vivat getrunken, man schoß auf Evchens Hacken, und Chreptiow hallte wider vom Spiel und Gesang und Tanz bis zum frühen Morgen, daß das Wild in der nahen Wüste sich in das tiefste Dickicht zurückzog.
Und da alles dies nahezu am Vorabend des entsetzlichen Krieges mit der türkischen Macht geschah, da über all' diesen Menschen der Schrecken und die Vernichtung hing, staunte der ernste Nawiragh über diese polnischen Soldaten gar sehr, und nicht minder staunten die beiden gelehrten Anardraten.
Am anderen Morgen in später Stunde schlief alles noch. Nur die Soldaten der Wacht und der kleine Ritter, der nie wegen eines Vergnügens den Dienst versäumte, waren auf ihrem Platze. Auch der junge Nowowiejski hatte sich frühzeitig erhoben, denn Sophie Boska war ihm lieber als die Ruhe. Er kleidete sich am frühen Morgen schön an und begab sich in das Gemach, in dem man gestern getanzt hatte, um zu hören, ob in den anstoßenden Kammern der Frauen nicht schon Bewegung zu vernehmen sei. In dem Zimmer, das Frau Boska innehatte, hörte man schon Leben, aber der ungeduldige Jüngling mochte nicht warten, er ergriff das Messer, um das Moos und den Lehm zwischen den Balken loszulösen, und so wenigstens durch einen kleinen Spalt mit einem Auge Sophie erspähen zu können.
Bei dieser Beschäftigung traf ihn Sagloba, der gerade mit dem Rosenkranz eintrat, und da er bald merkte, um was es sich handelte, kam er auf den Fußspitzen heran und bearbeitete den Rücken des Ritters mit den Perlen aus Sandelholz. Dieser lief davon und wandte sich lachend um, aber er war sehr verwirrt; der Alte folgte ihm, schlug ihn immer von neuem und rief ein über das anderemal:
»Ei seht doch, bist du ein Türke oder ein Tatar? Exerciso te! Sind das mores? Die Weiber willst du ansehen? Ei, daß dich!«