»Frau Boska ging gestern in ihre Kammer, um für Sophie ein Tuch zu holen. Ich folgte ihr. Sie drehte sich um — Wer da? — Plauz, liege ich ihr zu Füßen! — Schlagt mich, Mutter, aber gebt mir Sophiechen, meine Glückseligkeit, meine einzige Liebe! — Frau Boska erholt sich von ihrer Überraschung und sagt so: Es loben Euch alle und halten Euch für einen würdigen Jüngling. Mein Mann ist in Gefangenschaft, und Sophie ist ohne Schutz auf dieser Welt. Indessen kann ich Euch heute noch keine Antwort geben, auch morgen nicht, — später einmal, und Ihr braucht ja auch die Einwilligung Eures Vaters. — Mit diesen Worten ging sie, weil sie glaubte, daß ich das im Rausch getan habe. Ich war ja auch ein wenig ...«

»I nicht doch, es waren alle ein wenig angeheitert, — hast du nicht bemerkt, wie dem Nawiragh und den Anardraten die spitzen Mützen schief auf dem Kopfe saßen?«

»Ich habe es nicht bemerkt, denn ich machte im Innern schon Pläne, wie ich am leichtesten die Zustimmung vom Vater erlange.«

»Und wurde es dir schwer?«

»Gegen Morgen ging ich mit ihm ins Quartier, und da man das Eisen schmieden muß, solange es heiß ist, sagte ich mir, du mußt gleich mal die Fühlhörner ausstrecken, wie der Vater es aufnehmen wird. Ich sage also: Hör', Vater, ich muß die Sophie haben, und ich brauche deine Zustimmung, und wenn du sie mir nicht gibst, so gehe ich zu den Venetianern und lasse mich dort anwerben, und dann werdet Ihr mich so viel sehen — Wie der nicht über mich herfällt in blinder Wut: Solch' ein Sohn! sagt er; du kannst ohne Erlaubnis fertig werden, geh' zu den Venetianern oder nimm dir das Mädchen, wie du willst, aber das eine sag' ich dir: keinen Heller bekommst du, weder von meinem noch von der Mutter Teil, denn alles ist mein eigen.«

Sagloba schob die Unterlippe vor: »Ei, schlimm!«

»Hört nur weiter: Wie er so spricht, sage ich gleich: Hab' ich denn darum gebeten, oder brauch ich es denn? Deinen Segen brauche ich, nichts weiter. Denn die heidnische Beute, die meinem Schwerte zufiel, reichte zu einer guten Pacht, ja zu einem mäßigen Gütchen. Was an Mutterteil da ist, mag für Evchen zur Mitgift bleiben, ich lege auch noch eine und die andere Handvoll Türkisen hinzu und Atlas und Gold- und Silbergeweb', und wenn ein schlimmes Jahr kommt, so helfe ich auch noch dem Vater mit barem aus. Da ward der Vater furchtbar neugierig.«

»So reich bist du?« fragte er, »ums Himmels willen, woher? Von der Beute? Denn fortgegangen bist du arm wie eine Kirchenmaus.«

»Ich bitte Euch, Vater,« antwortete ich ihm, »ich bin doch elf Jahre draußen und arbeite mit diesen Fäusten, und wie die Leute sagen, nicht übel, und sollte gar nichts gesammelt haben? Ich war beim Sturm der rebellischen Burgen, in denen das Gesindel und die Tataren Beute von beträchtlichem Werte aufgehäuft hatten, ich habe die Mirzen und die Räuberscharen geschlagen, und die Beute wuchs und wuchs. Ich nahm nur das, was mir zuerkannt wurde — und schädigte keinen; so wuchs es an, und wenn der Mensch nicht liederlich wäre, so besäße er zweimal soviel, wie Ihr in Eurer Hauswirtschaft braucht.«

»Und was sagte der Alte da?« fragte Sagloba belustigt.