Während des Gebets blickte er unwillkürlich durch das Fenster hinaus auf seine Lipker, die gerade die Pferde hinausführten, um sie am Brunnen zu tränken. Der Schloßhof wimmelte von ihnen, sie sangen leise ihre eintönigen Lieder, zogen die knarrenden Kräne und schöpften das Wasser in die Tröge. Der Dampf stieg in Doppelsäulen aus den Nüstern der Pferde und hüllte das Bild ein. Plötzlich trat aus dem Hauptgebäude Michael Wolodyjowski, in einen Schafspelz und Kalbstiefel gekleidet. Er ging zu den Lipkern heran und sprach mit ihnen; sie standen kerzengerade vor ihm, nahmen gegen die Sitte des Ostens die Kapuze von ihren Köpfen und horchten seinen Worten. Bei seinem Anblick hörte Asya auf zu beten, und murmelte vor sich hin:
»Ein Falke bist du, aber ich werde auf meinen Flügeln weiter gelangen als du, und du wirst in Chreptiow bleiben in Leid und Harm.«
Michael kehrte in fein Zimmer zurück, und auf dem Schloßhof ertönten wieder die Lieder der Lipker, das Wiehern der Pferde, das klagende, durchdringende Knarren der Brunnenkräne.
Der kleine Ritter schrie anfangs, ganz wie Bärbchen vorhergesehen hatte, auf, als sie von ihren Absichten sprach, er werde es nie dulden, denn er selbst könne nicht reisen, und ohne ihn werde er sie nicht reisen lassen; aber da begannen von allen Seiten Bitten und Zureden, die endlich seinen Entschluß wankend machten.
Bärbchen drängte zwar weniger, als er erwartet hatte, denn sie wollte überaus gern mit ihrem Gatten reisen, und ohne ihn verlor der Zug einen Teil seines Reizes. Evchen aber kniete vor ihm, küßte ihm die Hände und beschwor ihn bei seiner Liebe zu Bärbchen, seine Zustimmung zu geben.
»Niemand sonst wird es wagen, vor meinem Vater zu treten,« sagte sie zu ihm, »und ihm dies mitzuteilen. Weder ich noch Asya, nicht einmal mein Bruder, nur Frau Bärbchen kann das tun, denn ihr wird er nichts versagen.«
Darauf antwortete Wolodyjowski.
»Das Werben ist Bärbchens Sache nicht, und außerdem müßt Ihr doch hier herum zurückkehren, sie kann das also bei der Rückreise tun.«
Evchen antwortete durch Weinen: »Gott wisse, was bis zur Rückreise geschehe, sie sei sogar sicher, daß sie vor Gram sterben werde; aber für eine Waise, mit welcher niemand Mitleid habe, sei das wohl das beste.«