»Darum sage ich dir auch, beschließe selbst.«

Nach dieser Unterredung zögerte Michael wieder und erwog die Sache nach allen Seiten. Um Evchen tat es ihm leid; er dachte auch darüber nach, ob man das Mädchen mit Asya auf eine so weite Reise allein schicken könne, und darüber noch mehr, ob es nicht geboten sei, guten Menschen zu helfen, wenn sich eine so günstige Gelegenheit dazu biete. Denn worum handelte es sich: um Bärbchens Reise auf zwei bis drei Wochen, und sei es auch nur, um ihr das Vergnügen zu bereiten, Mohylow, Jampol und Raschkow zu sehen. Warum sollte das nicht geschehen? Asya mußte so oder so mit seiner Fahne nach Raschkow gehen, an Schutz mangelte es also nicht, ja er war fast überflüssig, da die Räuber vernichtet waren, und die Horde Frieden hielt.

Immer schwankender wurde der kleine Ritter in seinem Entschluß, und da die Frauen das bemerkten, erneuerten sie ihr Drängen, die eine, indem sie die Reise als eine gute Tat und ihre Pflicht darstellte, die andere weinend und klagend. Endlich brachte auch Tuhaj-Beys Sohn dem Kommandanten seine Bitte vor. Er wisse, sagte er, er sei dieser Gunst nicht würdig, aber er habe doch soviel Treue und Anhänglichkeit an die Wolodyjowskis gezeigt, daß er um die Gnade zu bitten wage. Er fühle eine große Schuld der Dankbarkeit gegen sie beide, denn sie haben nicht zugegeben, daß man ihn mißachte zu einer Zeit, wo noch niemand wußte, daß er Tuhaj-Beys Sohn sei. Er werde nicht vergessen, daß die Frau Kommandantin seine Wunden gepflegt, daß sie ihm nicht nur eine gnädige Herrin, sondern gleichsam eine Mutter gewesen sei. Beweise seiner Dankbarkeit habe er schon in der Schlacht mit Asba-Bey abgelegt, und er werde auch in Zukunft, wenn es nötig sein sollte, was Gott verhüte, mit Freuden für seine Herrin sein Haupt hingeben und seinen letzten Tropfen Blutes vergießen.

Dann erzählte er von seiner alten, unglücklichen Liebe zu Evchen. Er könne nicht leben ohne dieses Mädchen, er habe sie geliebt die ganze Zeit der Trennung hindurch, wenn auch ohne jede Hoffnung, und er werde nicht aufhören sie zu lieben. Aber zwischen ihm und dem alten Nowowiejski bestehe eine alte Feindschaft, und das alte Verhältnis des Dieners und des Herrn trenne sie gleichsam wie eine breite Schlucht. Die »Herrin« allein könne etwas erwirken, und wenn sie auch nichts durchsetzen sollte, so werde sie wenigstens das geliebte Mädchen vor der Tyrannei des Vaters, vor Kerker und Kantschu schützen.

Michael hätte vielleicht lieber gesehen, daß Bärbchen sich nicht in diese Angelegenheit mische; aber da er selbst gern wohltat, wunderte er sich auch nicht über das Herz seiner Gattin. Er antwortete zwar Asya noch nicht zustimmend, widerstand sogar Evchens erneuten Tränen, aber er schloß sich in seine Kanzlei ein und überlegte.

Endlich kam er an einem Abend mit heiterem Gesicht heraus und fragte plötzlich nach der Abendmahlzeit Tuhaj-Beys Sohn:

»Asya, wann ist der Zeitpunkt deiner Reise?«

»In einer Woche, gnädiger Herr,« versetzte der Tatar beunruhigt, »Halim muß die Verhandlungen mit Krytschynski dort schon beendet haben.«

»Befiehl auch den großen Schlitten auszupolstern, denn du wirst die beiden Frauen nach Raschkow bringen.«