»Ich warte auf den Boten aus Raschkow; ich habe geglaubt, ihn schon in Jampol zu finden, jeden Augenblick erwarte ich ihn.«

»Und was hat der Bote mit unserer Unterredung zu tun?«

»Ich glaube, dort kommt er gerade,« antwortete der junge Tatar ausweichend.

Er sprengte voraus, kam aber nach einer Weile wieder zurück. »Nein, das ist er nicht,« sagte er.

In seiner ganzen Gestalt, in seiner Rede, in seinem Blick, in seiner Stimme lag etwas Unruhiges und Fieberhaftes, und diese Unruhe teilte sich auch Bärbchen mit. Aber noch war nicht der geringste Verdacht in ihr aufgestiegen. Asyas Unruhe ließ sich sehr wohl durch die Nähe von Raschkow und dem gefürchteten Vater Evchens erklären, und doch ward Bärbchen so schwer zumute, als handle es sich um ihr eigenes Schicksal.

Sie näherte sich dem Schlitten und ritt einige Stunden in Evchens Nachbarschaft, plauderte mit ihr über Raschkow, über den alten und jungen Herrn Nowowiejski, über Sophie Boska und endlich über die Gegend, die immer wilder, immer furchtbarer, immer wüster wurde. Schon unmittelbar hinter Chreptiow hatte die Wüste begonnen. Aber es erhob sich wenigstens von Zeit zu Zeit am Horizont eine Rauchsäule, die eine Hütte ankündigte, einen menschlichen Wohnsitz. Hier gab es gar keine Spur von Menschen; und wenn Bärbchen nicht gewußt hätte, daß sie nach Raschkow reite, wo Menschen wohnen, und eine polnische Besatzung lag, sie hätte glauben können, man führe sie irgendwo in unbekannte Wüsteneien, in fremde Länder, ans Ende der Welt. Sie sah sich in der Gegend um, hielt unwillkürlich an und blieb bald hinter dem Schlitten und der ganzen Abteilung zurück. Asya kam nach einer kurzen Weile zu ihr, und da er die Gegend gut kannte, zeigte er ihr die verschiedenen Orte und nannte sie mit Namen. Aber das dauerte nicht lange, denn der Boden begann zu dampfen. Der Winter hatte offenbar in diesen südlichen Strichen nicht die Kraft, die er im waldigen Chreptiow hatte. Es lag zwar noch ein wenig Schnee in den Schluchten und Klüften, an den Felsgraten, und auch an den nach Norden gerichteten Abflachungen der Höhen, aber im allgemeinen war der Boden nicht von Schnee bedeckt; er war mit niedrigem Gestrüpp besetzt oder glänzte von feuchtem, welkem Gras. Von diesen Gräsern stieg ein leichter, weißlicher Dunst auf und zog sich den Boden entlang, so daß es das Aussehen großer Wasserflächen hatte, welche die Täler erfüllten und weithin über die Ebene ergossen waren; dann hob sich dieser Dunst und stieg immer höher, den Glanz der Sonne verdeckend und den lichten Tag in düsteren Nebel verwandelnd.

»Morgen wird es Regen geben,« sagte Asya.

»Wenn es nur heute nicht regnet. — Wie weit ist es noch bis Raschkow?«

Asya blickte nach dem nächsten, durch den Nebel kaum erkennbaren Punkt, und antwortete: