18. Kapitel.
Bärbchen war noch eine ganze Woche so schwer krank, daß, wenn der Arzt nicht das Gegenteil versichert hätte, der kleine Ritter und Herr Sagloba gefürchtet haben würden, ihr Lebensflämmchen müsse jeden Augenblick verlöschen. Erst nach Verlauf dieser Zeit besserte sich ihr Zustand bedeutend. Das Bewußtsein kehrte vollständig zurück, und obwohl der Arzt vorhersagte, daß sie einen ganzen Monat oder gar anderthalb werde zu Bette liegen müssen, so war es doch sicher, daß sie ihre Gesundheit und ihre früheren Kräfte ganz wiedergewinnen werde.
Herr Michael, der während ihrer Krankheit nicht von ihrer Seite gewichen war, gewann sie in diesen Zeiten der Not, wenn dies überhaupt möglich war, noch inniger lieb und sah in ihr seine ganze Welt. Wenn er so bei ihr saß, wenn er ihr in das abgemagerte, kranke, aber heitere Gesichtchen schaute, wenn er in ihre Augen blickte, die mit jedem Tage mehr ihren alten Glanz wiedergewannen, dann erfaßte ihn die Lust zu weinen, zu lachen, und vor Freude aufzujubeln: Mein einziges Bärbchen genest wieder, mein Bärbchen genest!
Er warf sich über ihre Hände oder küßte die armen, kleinen Füßchen, die so rüstig durch den Schnee bis nach Chreptiow gewandert waren, — mit einem Wort, er liebte und verehrte sie über die Maßen. Er fühlte sich auch in tiefer Schuld gegen die Vorsehung, und eines Tages sagte er in Gegenwart Saglobas und der Offiziere:
»Ich bin ein einfacher Mann, aber sollte ich mir auch die Hände abarbeiten bis zu den Ellbogen — ein kleines Kirchlein aus Holz werde ich noch schaffen können, und so oft in ihm die Glocken ertönen, so oft will ich der Barmherzigkeit Gottes gedenken, so oft soll meine Seele in Dankbarkeit sich demütigen.«
»O, helfe uns Gott erst glücklich den türkischen Krieg überstehen,« antwortete ihm Sagloba.
Und der kleine Ritter antwortete: »Gott weiß am besten, was ihn erfreuen mag; ist ihm ein Kirchlein lieber, so wird er mich behüten, und wird er mein Blut fordern, so will ich es ihm freudig dahingeben.«