Mit der Gesundheit gewann Bärbchen auch ihre Heiterkeit wieder. Zwei Wochen später befahl sie eines Abends, die Tür vom Alkoven ein wenig zu öffnen, und als die Offiziere im Gastzimmer versammelt waren, wandte sie sich mit ihrem Silberstimmchen zu ihnen:

»Guten Abend den Herren! Ich sterbe doch nicht, aha!«

»Gott im Himmel sei Dank!« antworteten die Offiziere im Chor.

»Dank sei Gott, mein liebes Kind!« rief Motowidlo in kleinrussischer Mundart; er liebte Bärbchen mit ganz besonderer Zuneigung, und in Augenblicken großer Rührung bediente er sich immer der heimischen Mundart.

»Gott hat über der Unschuld gewacht«, ließ sich wieder der Chor hinter der Tür vernehmen.

»Herr Sagloba hat mich oft genug verspottet, daß ich mehr Lust zum Säbel habe als zum Rocken. Schön! Der Spinnrocken und die Nadel hätten mir viel geholfen, und so habe ich mich doch recht ritterlich benommen, nicht wahr?«

»Der Engel Michael hätte es nicht besser können.«

Die Fortsetzung des Gespräches verhinderte Sagloba, indem er die Tür des Alkovens schloß, denn er fürchtete, Bärbchen könne sich zu sehr anstrengen. Sie aber neckte ihn wie ein Kätzchen, denn sie hatte Lust, noch lange zu plaudern, besonders hätte sie gern noch mehr Lob für ihren Mut und ihre Tapferkeit eingeheimst. Jetzt, da die Gefahr vorüber war und nur noch der Erinnerung angehörte, war sie sehr stolz auf ihre Tat gegen Asya, und sie verlangte durchaus, gerühmt zu werden. Oft tippte sie dem kleinen Ritter mit dem Finger gegen die Brust und sagte mit der Miene eines verzärtelten Kindes:

»Lobe mich für meinen Mut!«