Und er gehorchte, lobte sie, koste und küßte sie auf die Augen, auf die Hände, so daß sogar Sagloba, obgleich er selbst tiefes Mitgefühl in der Seele empfand, sich wie gekränkt stellte und murrte:

»Ha, sie wird sich noch ganz auflösen wie weicher Schnee.«

Die allgemeine Freude, die in Chreptiow über Bärbchens Rettung herrschte, wurde nur getrübt durch den Gedanken an den Verlust, den Asyas Verrat der Republik zugefügt, und an das schreckliche Schicksal des alten Nowowiejski, und der beiden Frauen Boska und Evchen. Bärbchen grämte sich sehr darüber und mit ihr auch alle anderen, denn die Ereignisse in Raschkow waren nicht bloß in Chreptiow, sondern in Kamieniez und darüber hinaus schon sehr genau bekannt. Vor einigen Tagen hatte Myslischewski in Chreptiow Rast gemacht, der trotz Asyas, Krytschynskis und Adurowitschs Verrat die Hoffnung noch nicht aufgegeben hatte, daß es ihm gelingen werde, die anderen lipkischen Hauptleute auf die Seite Polens hinüberzuziehen. Myslischewski war Herrn Bogusch auf dem Fuße gefolgt, und ihm folgten unmittelbar Nachrichten aus Mohylow, aus Jampol und aus Raschkow selber.

In Mohylow hatte sich Herr Gorschenski, der offenbar ein tüchtigerer Soldat als Redner war, nicht überlisten lassen. Er hatte Asyas Weisungen an die als Besatzung zurückgebliebenen Lipker übernommen, überfiel sie mit einer Handvoll masurischen Fußvolkes und hieb sie nieder oder nahm sie in Gefangenschaft. Überdies hatte er eine Warnung nach Jampol gesandt, wodurch auch diese Stadt gerettet wurde. Kurz darauf waren die Heere zurückgekehrt, und so war nur Raschkow zum Opfer gefallen. Michael hatte gerade von dort einen Brief des Herrn Bialoglowski empfangen, der über die Ereignisse am Ort und über andere Dinge Nachricht gab, welche die gesamte Republik betraf.

— Gut, daß ich hergekommen bin — so schrieb er unter anderem —, denn Nowowiejski, den ich vertreten habe, wäre jetzt nicht imstande gewesen, seine Pflichten zu erfüllen. Er gleicht schon mehr einem Gerippe als einem Menschen, und wir werden sicher einen tüchtigen Rittersmann verlieren, denn der Schmerz hat ihn über die Maßen niedergebeugt. Den Vater hat man hingeschlachtet, die Schwester leidet die schrecklichste Schmach, Asya hat sie dem Adurowitsch geschenkt, und Fräulein Boska hat er sich selbst genommen. Sie sind verloren, wenn es auch gelänge, sie aus der Gefangenschaft zu befreien. Wir wissen das von einem Lipker, der sich bei dem Übergang über den Fluß das Genick verstaucht, von den unsrigen gefangen wurde, und auf glühenden Kohlen alles gebeichtet hat. Asya, Tuhaj-Beys Sohn, Krytschynski und Adurowitsch sind fortgezogen bis nach Adrianopel. Nowowiejski will ihm durchaus folgen; er wolle Asya, sagt er, und müßte es aus der Mitte des türkischen Lagers sein, ergreifen und seine Rache an ihm kühlen. Er war immer hitzig und entschlossen, und jetzt ist er's um so mehr, als er um Fräulein Boska trauert, deren Jammer wir alle mit Tränenströmen beweinen, denn das Mädchen war lieblich und hat hier alle Herzen gewonnen. Ich halte Nowowiejski zurück, denn ich sage ihm, Asya werde selbst zu ihm kommen; der Krieg ist gewiß, und auch das ist sicher, daß die Horde im Vortrab marschieren wird. Ich habe Nachrichten aus der Moldaugegend von den Perkulaben, ja von türkischen Kaufleuten, daß bei Adrianopel die Heere bereits zusammenströmen. Zahlreiche Horden, auch türkische Reiterei, »Spahis« wie sie es nennen, und der Sultan selbst soll mit den Janitscharen heranziehen, — o, werter Freund, zahllos wie die Heuschrecken werden sie sein, der ganze Osten wird lebendig, und bei uns kaum eine Handvoll Soldaten! Alle Hoffnung ruht auf dem Felsen von Kamieniez. Wenn er nur, was Gott geben mag, tüchtig versehen ist. In Adrianopel ist schon Frühling, auch bei uns drängt er heran, es regnet unaufhörlich, und das Gras beginnt zu sprießen. Ich gehe nach Jampol, denn Raschkow ist nur ein Aschenhaufen, es gibt keinen Ort, wo man sein Haupt niederlegen kann, und kein Brot, den Hunger zu stillen. Auch denke ich, daß man bald alle Kommandos zusammenberufen wird. —

Der kleine Ritter hatte seine eigenen Nachrichten, die ebenfalls zuverlässig waren, ja noch zuverlässiger, denn sie stammten aus Chozim und lauteten dahin, daß der Krieg unabwendbar sei. Noch vor kurzem hatte er dies dem Hetman gemeldet, und doch machte Bialoglowskis Brief, der von der äußersten Grenze kam, gerade weil er seine Nachrichten bestätigte, einen tiefen Eindruck auf ihn. Nicht den Krieg fürchtete der kleine Ritter; er war nur um Bärbchen besorgt.

»Der Befehl des Hetmans, die Kommandos zusammenzuberufen« — sagte er zu Sagloba — »kann jeden Tag eintreffen und — Dienst ist Dienst. Dann heißt es vorwärts, unverzüglich vorwärts, und Bärbchen liegt noch immer, und das Wetter ist schlecht.«

»Und wenn noch zehn Befehle kämen,« antwortete Sagloba, »Bärbchen ist die Hauptsache. Wir sitzen still, bis sie ganz gesund wird. Der Krieg wird doch nicht beginnen, ehe der Winter zu Ende geht, und ehe der Eisgang vorüber ist, um so mehr, als sie schweres Geschütz gegen Kamieniez aufführen werden.«

»In Euch steckt noch immer der alte Freiwillige,« versetzte ungeduldig der kleine Ritter. »Ihr glaubt, man könne den Befehl seiner eigenen Sache nachsetzen.«

»Je nun, wenn dir der Befehl lieber ist als Bärbchen, so lade sie auf den Wagen und fahre davon. Ich weiß wohl, du könntest ihr um des Befehls willen mit einer Heugabel auf den Wagen helfen, wenn sie nicht aus eigenen Kräften hinein könnte. Hol' Euch der Teufel mit solcher Disziplin! In alten Zeiten, da machte der Mensch, was er konnte, und was man nicht konnte, das ließ man sein. Auf der Zunge führst du die Barmherzigkeit, aber wenn es heißt: Hurra, auf den Türken! so spuckst du sie aus wie einen Kern und führst das arme Ding an der Schlinge mit deinem Pferde mit.«